1 Zielsetzung
Der hier vorliegende Antrag auf
Förderung eines "Instituts für Forschungsinformation und
Qualitätssicherung (IFQ)" reagiert auf eine Defizitanalyse des deutschen
Forschungssystems im Allgemeinen und der Forschungsförderung durch die DFG
im besonderen zurück, wie sie in den Empfehlungen der Gutachterkommission
für die Systemevaluation der DFG und MPG dargelegt wurde. Demnach fehlt im
deutschen Forschungssystem bislang ein kontinuierliches Qualitäts- und
Informationsmanagement, das Auskunft über die Stärken und Schwächen der
deutschen For schung und der diese bedienenden Förderinstrumente gibt: Es
mangelt bisher noch an einem kontinuierlichen Monitoring des Systems, das
Fehlentwicklungen aufzeigen und zur Koordination von Aufgaben und
Organisationsformen seiner einzelnen Teile beitragen könnte, sowie an
effektiven Elementen zur Stimulierung insbesondere des
einrichtungsübergreifenden Wettbewerbs. ... Das Verständnis für Aufgaben
eines kontinuierlichen Organisations- und Qualitätsmanagements ist nur
unzureichend entwickelt. Es gibt noch kein transparentes,
institutionenübergreifendes System der Qualitätssicherung, und auch
innerhalb der einzelnen Hochschulen mangelt es an wirksamen
Qualitätskontrollen (Internationale Kommission 1999: 17).
Drei
Aufgabenkomplexe stehen dabei im Vordergrund:
Forschungsinformation: Bereitstellung
allgemein zugänglicher Informationen über Akteure, Projekte und Leistungen
der Forschung in Deutschland, etwa mit Hilfe datenbankgestützter
Forschungsinformationssysteme. Förder- und Forschungs-Monitoring: Dauerhafte Beobachtung von Entwicklungen in der (öffentlich geförderten)
Forschung auf der Basis eines wissenschaftlich fundierten Sets an
etablierten, vor allem aber neu zu entwickelnden Kennzahlen und
Indikatoren. Qualitätssicherung: Nutzung der im
Monitoringverfahren sowie in Form von Sondererhebungen gewonnenen Daten
für Evaluationsstudien zur Effizienz und Effektivität von Förderprogrammen
bzw. den Desiderata des Förderungsangebotes.
Diese Aufgaben werden in Deutschland bislang nicht in
ausreichendem Umfang bearbeitet, weil es - im Gegensatz zu vielen
benachbarten Ländern oder beispielsweise zu den USA - bisher nicht
gelungen ist, die institutionellen Voraussetzungen hierfür zu schaffen.
Daher wird hier der Aufbau eines wissenschaftlichen "Instituts für
Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ)" vorgeschlagen, das
diese Aufgaben in Zukunft wahrnehmen soll.
Das Leistungsspektrum des
Instituts soll sich dabei im wesentlichen in einem dreistufigen Prozess
entwickeln:
1. Konzeptions- und
Gründungsphase (2004/2005): Unter Leitung eines ausgewiesenen
Wissenschaftsforschers soll zunächst ein sich aus drei bis vier Personen
zusammensetzender "Nukleus" der Agentur aufgebaut werden, der in enger
Abstimmung mit der Geschäftsstelle der DFG zunächst für den Bedarf der DFG
einen konkreten Umsetzungsplan entwickelt. Die hier konzipierten
Instrumente und Informationsbestände sind dabei von Beginn an so zu
entwickeln, dass in mittlerer Perspektive (ab 2007) einer Ausweitung des
Leistungsspektrums auf DFG-übergreifende Forschungsinformations- und
Qualitätssicherungsanforderungen möglich wird.
2. Aufbauphase (2005 bis 2007): In der zweiten Phase
werden Leistungen für die DFG entwickelt und - teilweise modellhaft -
implementiert. Organisatorisch erfolgt der weitere personelle Aufbau bis
zu einer Größe von circa zwölf Mitarbeitern. Weiterhin sollen
Arbeitsbeziehungen zu national und international auf dem Gebiet aktiven
Einrichtungen aufgenommen werden.
3. Betriebsphase (ab 2007): In der Betriebsphase
entwickelt sich das IFQ auf der Basis der bis dahin entwickelten Methoden
und Instrumente sowie der dabei aufgebauten Datenbestände zu einer
wissenschaftlichen Einrichtung, die auch weiteren Förderern und
wissenschaftspolitischen Akteuren dient. Für die DFG zum Teil modellhaft
entwickelte Monitoringsysteme werden in den regulären Betrieb überführt
und es werden - abhängig von der Bedarfslage und den personellen und
finanziellen Ressourcen - weitere Angebote entwickelt. In der
Betriebsphase soll das IFQ in Anlehnung an erfolgreich arbeitende
Vergleichseinrichtungen im Ausland eine Betriebsgröße von circa 25
Mitarbeitern erreichen. Die enge Anbindung an eine Hochschule soll vor
allem in dieser Phase dazu beitragen, die Nachwuchslücke auf dem
betroffenen Gebiet zu schließen - etwa durch gemeinsam mit dieser
Hochschule zu entwickelnde Aufbaustudiengänge oder weitere
Qualifizierungsmöglichkeiten.
Der Vorschlag einer zunächst auf die
Deutsche Forschungsgemeinschaft und deren Förderprogramm fokussierten
Gründungs- und Aufbauphase ergibt sich aus der doppelten Rolle, die die
DFG als zentrale Selbstverwaltungseinrichtung der deutschen Forschung
einnimmt: Einerseits ist sie selbst Nachfrager evaluativer und
analytischer Informationen - und wird dies angesichts wachsender
Effizienz- und Rechenschafts anforderungen zukünftig verstärkt sein.
Andererseits ist die DFG durch ihren Kontakt zu jährlich über 20.000
Antragstellern sowie zu mehreren tausend Gutachtern, die deren Anträge
einer Prüfung unterziehen, ein privilegierter Anbieter von Informationen
über das Forschungsgeschehen in Deutschland. Dieses Wissen bildet sich
schon heute in zentralen Teilen in den Datenbanken1 der DFG ab und wird
für DFG-übergreifende Zwecke genutzt. Beispielhaft erwähnt seien hier das
Projektinformationssystem GEPRIS, eine über das Internet zugängliche
Abstract-Datenbank, die über die Ziele und die verantwortlichen Leiter
DFG-geförderter Forschungsvorhaben informiert (vgl. http://gepris.dfg.de/), oder das sog.
"DFG-Förder-Ranking", das neben einer Reihe weiterer Kennzahlen Auskunft
über das DFG-Bewilligungsvolumen je Hochschule bzw. außeruniversitärer
Forschungseinrichtung und Fachgebiet gibt 1.
Die
DFG verfügt seit Beginn der 80er Jahre über eine datenbankgestützte
Datenhaltung. Seit Mitte der 90er Jahre werden antrags- und
begutachtungsrelevante Daten dezentral durch etwa zweihundert Mitarbeiter
jährlich erfasst - vorrangig mit dem Ziel, diese Daten für
bearbeitungsrelevante Zwecke zu nutzen (z.B. datenbankgestützte
Generierung von Formschreiben). Heute dokumentieren die Datenbanken
Informationen zu annähernd 300.000 beantragten und bewilligten Projekten
und mehr als 100.000 Antragstellern und Gutachtern der DFG ( http://www.dfg.de/dfg_profil/evaluation_statistik/ranking/index.html). GEPRIS ist ein
Beispiel für eine sog. "qualitative" Informationsdienstleistung ("Wer und
Was wird gefördert?"), das sog. "DFG-Ranking" informiert dagegen in
"quantifizierender" Form ("In welchem Umfang wird gefördert?", "Welche
institutionellen und regionalen fachlichen Schwerpunktsetzungen
DFG-geförderter Forschung lassen sich feststellen?").
Indem das
IFQ diesen Informationsbestand in wissenschaftlich fundierter Form
systematisch nutzt und erweitert, ergibt sich für diese Einrichtung eine
solide Ausgangsposition für ein Informationssystem, das neben der
Förderung auch und vor allem Ergebnisse und Erfolge von Forschung in den
Blick nimmt. Dies sind Voraussetzungen für ein umfassendes Monitoring
sowie - in längerfristiger Perspektive - auch für ein internationales
Benchmarking von Förderung und Forschung.
Schließlich ist diese
Initiative zum Aufbau des IFQ von der Überzeugung getragen, dass die
beschriebenen Aufgaben originäre Bestandteile des Selbststeuerungssystems
der Wissenschaft sind und daher auch nicht in Gestalt einer staatlichen
Anstalt, sondern als wissenschaftsnahe Organisation institutionalisiert
werden sollten.
Der Antrag beschreibt zunächst die Ausgangssituation
bezogen auf das deutsche Forschungssystem sowie - im Schwerpunkt - bezogen
auf die DFG. Weiterhin wird hier der DFG-spezifische Bedarf an
Forschungsinformation ausgeführt. Dem folgt ein Kapitel, das als
Konsequenz aus der zuvor beschriebenen Bedarfslage organisatorische
Rahmenbedingungen für den Aufbau eines IFQ skizziert. Die in den
skizzierten Phasen anfallenden Aufgaben werden beispielhaft ausgeführt.
Ein abschließendes Kapitel skizziert den Ausstattungsbedarf des IFQ in der
Gründungs- und Aufbauphase.
2. Ausgangssituation
2.1
Entwicklungen und Desiderata im deutschen Forschungssystem
In den europäischen Nachbarländern haben sich in den letzten
Jahren angesichts von knapper werdenden Mitteln, internationalem
Konkurrenzdruck, von Effizienzproblemen, aber auch erhöhten Anforderungen
an Transparenz und "Accountability" unterschiedlichste Reformansätze für
das Hochschul- und Forschungssystem entwickelt. In den meisten Ländern war
dieser Prozess begleitet durch den Aufbau und die Institutionalisierung
von Bewertungs- und Beobachtungsprozeduren. Das Spektrum reicht dabei von
Evaluationsverfahren, an deren Ergebnis die Zuweisung von Grund-
ausstattungen gebunden wird (in GB) über Formen des Peer Reviews im Rahmen
einer leistungsbezogenen Mittelverteilung ("conditional financing") (NL)
bis hin zu reinen Beobachtungseinrichtungen die auf Basis von Indikatoren
über verschiedene Performanzaspekte des Forschungssystems regelmäßig
berichten (Monitoring), ohne dass daran irgendwelche unmittelbaren
Konsequenzen geknüpft wären (F, CH, NL, USA). Zum Teil entwickelten sich
auch Hybridformen, d.h. indikatorengestützte Berichte bilden die
Informationsgrundlage für Begutachtungen durch "Peers" (sog. "informed
peer review"). Auch die Forschungsinstitutionen selbst haben in diesem
Prozess unterschiedlichste Formen der internen Qualitätssicherung
entwickelt.
In Deutschland wurde diese internationale Entwicklung spät
und zögerlich aufgenommen. Die Gründe hierfür sind nicht nur in der
ausgeprägten Dezentralität des deutschen Forschungssystems zu suchen,
sondern auch in der Entwicklung der Forschungspolitik. Anders als in den
europäischen Nachbarländern folgten den Forderungen nach mehr Wettbewerb
und Transparenz in den achtziger Jahren in Deutschland kaum
institutionelle Reformen, sondern vor allen Dingen eine Erhöhung des
Anteils antragsgebundener Drittmittelforschung. Seit etwa 20 Jahren ist
die verstärkte Wettbewerbsorientierung in der deutschen
Forschungslandschaft an der beständigen Auseinanderentwicklung von
Grundausstattung und Drittmitteleinwerbungen zu erkennen (Hornbostel
1997). Noch in den 90er Jahren wuchsen die Grundmittel real um 1,3 %
Prozent pro Jahr, die Drittmitteleinnahmen der Hochschulen hingegen um
real 4,2% (Wissenschaftsrat 2000). Dies ist ein Grund dafür, warum die
Forschungsförderung der DFG selbst bereits heute relativ umstandslos unter
"Forschungsevaluation" subsumiert wird (vgl. Friedrich 2001).
In
Deutschland wurden die kompetitiven Elemente im Forschungssystem also
zweifellos verstärkt, jedoch weder die dazugehörige Leistungstransparenz
hergestellt noch die Steuerungsfähigkeit der Hochschulen erhöht
(Hornbostel 2001). Diese Entwicklung hat unübersehbare Folgen. Sie stellt
- im Verein mit knapper werdenden Mitteln, einem verstärkten
internationalen Konkurrenzdruck und erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit -
sowohl die hochschulische und außerhochschulische Forschung wie auch die
Drittmittelgeber vor eine Reihe von Anforderungen:
- für die Hochschulen bedeutet dies einerseits eine verstärkte
Konkurrenz um Drittmittel, andererseits erhöhte Anforderungen an die
internen Steuerungsprozesse.
- für die Drittmittelgeber - insbesondere für die DFG, die mit rund
35% des gesamten Drittmittelvolumens der wichtigste Akteur ist (vgl.
Statistisches Bundesamt 2003) - hat diese Entwicklung nicht nur
erheblich steigenden Bearbeitungsaufwand, sondern auch neue
Anforderungen hinsichtlich der Qualitätskontrolle, der internen
Verfahren, der öffentlichen Rechenschaftslegung und nicht zuletzt Fragen
nach den Wirkungen der Förderung zur Folge.
- für die Forschungspolitik - aber auch für die Öffentlichkeit - führt
diese Entwicklung zu einem steigenden Informationsbedarf über die
Leistungsfähigkeit (Stärken und Schwächen in der Forschung) der
einzelnen Institutionen.
Begegnet wird diesem Bedarf bisher
insbesondere durch den Wissenschaftsrat, etwa in Form von
Forschungsevaluationen außeruniversitärer Einrichtungen oder als
Querschnittsevaluationen ganzer Forschungsbereiche .
Charakteristisch für diese Evaluationen ist eine anlassbezogene,
punktuelle Bestandsaufnahme. In der jüngsten Vergangenheit haben sich auf
der Länderebene ergänzend erste Initiativen in Richtung einer dauerhaften
Evaluation entwickelt (vgl. Wissenschaftliche Kommission des Landes
Niedersachsen,
Evaluationsagentur Baden-Württemberg ). Zu den Ansätzen
einer dauerhaften Berichterstattung gehören auch die Lehr- und
Forschungsrankings, etwa das sog. "Förder-Ranking" der DFG oder der
ührer von Stern / Centrum für Hochschulentwicklung (CHE).
Wie
dringlich der Bedarf an belastbaren Informationen ist, wird nicht zuletzt
an einer Initiative von Bund und Ländern deutlich, die im Juli 2003 zur
Einsetzung einer Arbeitsgruppe im Wissenschaftsrat führte, die sich mit
Zielen und Adressaten, Methodik und Realisierung von Rankings befasst.
Dabei ist bereits erkennbar, dass es nicht einfach um die Zusammenstellung
von Datenkollektionen geht, vielmehr fehlt es darüber hinaus an einer
reflektierten Methodenentwicklung, die auch die Validität der eingesetzten
Instrumente sicherstellt.
Obwohl sich also erste Entwicklungen einer dauerhaften, auf
Indikatoren gestützten Berichterstattung abzeichnen, sind insgesamt in
Deutschland Informationen über den Output des Forschungssystems, die
Forschungsintensität und -qualität der einzelnen Hochschulen und Angaben
über die eingesetzten finanziellen und personellen Ressourcen auf
systematischer und umfassender Basis nicht oder nur sehr schwer zu
erhalten. So beklagt denn auch der Wissenschaftsrat in einer Analyse zur
Entwicklung der Drittmittelforschung an deutschen Hochschulen
"statistische Lücken" die zur Folge haben, "dass Informationen, die für
eine weiterführende Zurverfügungstellung von Strukturinformationen
notwendig sind, zumeist nur schwer oder gar nicht erhält lich sind" (vgl.
Wissenschaftsrat 2000: 76-93).
Eine kontinuierliche Berichterstattung
über die Leistungen und die Effizienz des deutschen Forschungssystems
findet nicht statt. Entsprechend fehlen alle Mechanismen einer
Qualitätssicherung, die sich auf Vergleichsdaten stützen könnte. Ein
wirkliches Kompetenzzentrum für derartige Aufgaben ist im akademischen
Bereich nicht auszumachen. Vielmehr finden sich verschiedene universitäre
und außeruniversitäre Einrichtungen und temporär existierende
Forschungsschwerpunkte, die aus historischen Gründen bestimmte
Arbeitsschwerpunkte entwickelt haben (vgl. Kuhlmann 2002). Während in den
USA, Großbritannien und den Niederlanden klassische Verfahren des "Peer
Review" schon seit längerer Zeit mit quantitativen Methoden und Daten
kombiniert werden (sog. "Hybrid-Verfahren", vgl. Schreiterer 2000),
spielen objektivierbare Daten in Deutschland eine eher untergeordnete
Rolle (vgl. Scharnhorst/Leydesdorff 2002).
Die jüngsten Entwicklungen
auf Länderebene sind in diesem Zusammenhang sicherlich begrüßenswert, sie
lösen allerdings nicht das von der internationalen Expertenkommission
angesprochene Problem: Bei den Evaluationen der Länder geht es in erster
Linie um standortbezogene Fragen, weniger um Fragen des gesamten
Forschungssystems. Darüber hinaus bleiben Desiderata, die durch eine
Ausdehnung sowohl der ad hoc Evaluationen (etwa des Wissenschaftsrats) wie
auch der institutionell gesicherten Forschungsevaluationen auf Länderebene
nicht gelöst werden:
- die meist durch Peer-Review gestützten Verfahren sind derartig
aufwändig, dass sie nur in größeren zeitlichen Abständen oder aus
besonderem Anlass eingesetzt werden können. Ein bundesweites
regelmäßiges Monitoring der Forschungsleistungen mittels Peer-Review
würde die ohnehin durch anderweitig steigenden Begutachtungsaufwand
belasteten potentiellen Gutachter bis an die Grenzen strapazieren (was
sich schon heute in Warnungen vor einer um sich greifenden "Evaluitis"
niederschlägt (vgl. Daniel 2001: 15)).
- duch in Peer-Review-gestützten Evaluationsverfahren geht man heute
fast selbstverständlich von sog. "Informed Peers" aus, d.h. auch diese
Gutachter selbst benötigen zur Vorbereitung ihrer Aufgaben eine
qualitativ und quantitativ vergleichende Datenbasis.
- die Verbreitung solcher Verfahren des "Informed Peer-Review" stellt
an die Drittmittelgeber neue Anforderungen hinsichtlich der Aufbereitung
ihrer Daten, da Förderentscheidungen selbst häufig als Indikator für
Forschungsqualität herangezogen werden.
Mehrfacherhebungen, uneinheitliche Indikatoren, abweichende
Definitionen etc. haben für vielfältige Irritationen gesorgt. Die Fülle,
Heterogenität und sehr unterschiedliche Dignität von kennzahlbasierten
Verfahren führt - vor allem dann, wenn diese von einzelnen Universitäten
und Bundesländern für Zwecke der Mittelverteilung genutzt werden - zu oft
berechtigter Kritik an der mangelnden Transparenz oder gar Tragfähigkeit
der zum Einsatz gebrachten, oft sehr laienhaft genutzten Messverfahren.
2.2 Die Ausgangssituation der DFG
Neben diesen wesentlich auf das gesamte
Forschungssystem bezogenen Überlegungen, stellen sich auch für die
Drittmittelgeber - insbesondere die DFG - neue Herausforderungen, die mit
den oben genannten Entwicklungen deshalb eng zusammenhängen, weil die
Förderung der DFG strukturierend in das Wissenschaftsssystem hineinwirkt.
Die DFG ist die größte Fördereinrichtung für universitäre Forschung in
Deutschland (vgl. Statistisches Bundesamt 2003). Die zunehmende Förderung
außeruniversitärer Forschung kommt hinzu. In den Empfehlungen der
Systemevaluation führte diese herausragende Stellung zu Anregungen
hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der DFG. An die drei wichtigsten
Aspekte sei hier noch einmal erinnert:
Strategische Planung und Ausrichtung des Förderangebotes
Die Kommission hält es für wünschenswert, dass die
DFG ihre strukturbildende und wettbewerbsfördernde Funktion im
Hochschulbereich noch stärker als bisher annimmt und ausgestaltet. Dies
kann etwa im Rahmen von anreizsetzenden Zielvorgaben für einzelne
Förderaktivitäten, durch die gezielte, nicht nur responsiv angelegte
Förderung von Schwerpunkten und durch die Ausschreibung von
Exzellenzprogrammen geschehen. Die DFG muss neue Mittel und Wege finden,
um über Grundzüge und Instrumente einer aktiv gestaltenden Förderpolitik
und ihrer Programmentwicklung eigenverantwortlich entscheiden zu können
(vgl. Internationale Kommission 1999: 28).
Diese Orientierung
wird von der DFG grundsätzlich geteilt. Allerdings setzt die Bewältigung
eine derartigen Aufgabe voraus, dass erstens Klarheit über die Wirkungen
der DFG-Förderung besteht und zweitens Wissen über Desiderata bzw.
fachliche Entwicklungen systematisch entwickelt wird. In der Stellungnahme
der DFG zum Evaluationsbericht heißt es daher
auch:
"Strategische" Programme zur Unterstützung neuer
Arbeitsgebiete und zur langfristigen Sicherung der Konkurrenzfähigkeit von
Institutionen müssen auf zuverlässige, belastbare Analysen langfristiger
Entwicklungstrends aufbauen, die geeignet sind, die Universitäten zur
Entwicklung bis hin zur
Neuausrichtung ihres wissenschaftlichen
Profils zu motivieren (vgl. DFG 1999: 8).
Eine weitere von
der Kommission vorgetragene Empfehlung bezieht sich auf den mittelbaren
Bedarf an DFG-internen Mechanismen der Qualitätssicherung:
Qualitätssicherung nach innen
Eine
aktive Programmpflege verlangt nach angemessenen Verfahren für ein
kontinuierliches Monitoring der Programmentwicklung sowie der Wirkungen
des Förderhandelns. Ein solches durch die DFG selbst voranzutreibendes
System der Qualitätssicherung bildet ein notwendiges Komplement für die
von der Kommission empfohlene Weiterentwicklung der DFG zu einer aktiven,
strategisch handelnden Einrichtung der Forschungsförderung. Deshalb sollte
sie ihre Programme im Hinblick aufdie damit angestrebten Ziele und die
tatsächlich eingetretenen Wirkungen unter Beteiligung externer
Sachverständiger regelmäßig evaluieren und die Befunde dokumentieren
[...]. Die DFG nutzt bislang kaum eigene Möglichkeiten, ihr
Programm-Portfolio zu überprüfen und ggf. neu zu ordnen sowie eine
kontinuierliche Programmpflege zu betreiben, die sich auch auf die
Schließung erkennbarer Lücken in der deutschen Forschung beziehen könnte
(Internationale Kommission 1999: 25)
Auch in diesem Punkt
herrscht kein Dissens:
Die DFG stimmt mit der Kommission darin
überein, dass die gewünschte Verstärkung eigener Aktivitäten, die
strukturelle Verbesserungen im Forschungssystem anstoßen und unterstützen,
auch eine Verbesserung des Instrumentariums zur Vorbereitung der
Entscheidungen über neue Maßnahmen voraussetzt. Die DFG verfügt [...] über
eine breite und zuverlässige Wissensbasis. Diese kann durch Analysen und
Bewertungen der Förderprogramme noch verbessert werden. Die DFG möchte die
Empfehlungen der Kommission zum Anlass nehmen,
- ihre Wissensbasis möglichst noch zu verbreitern, vor
allem hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen in anderen Ländern,
- das vorhandene, aber nicht immer ohne weiteres
verfügbare Wissen besser zu erschließen, auch unter Nutzung von
Informations- und Kommunikationstechniken,
- die Nutzung des Wissens zur Vorbereitung von
Entscheidungen zur Aufgabenplanung im Sinne einer regelmäßigen
Defizitanalyse zu systematisieren. Die DFG will deshalb auch
die vorhandenen Ansätze der Programmanalyse und -bewertung [...] weiter
ausbauen und die Bewertung der Ergebnisse größerer Programme und
Fördermaßnahmen systematisch vorantreiben (DFG 1999: 13).
Die letzte hier zu thematisierende Empfehlung der
Expertenkommission bezieht sich schließlich auf den Aspekt der
Rechenschaftslegung und Öffentlichkeitsarbeit:
Information und Transparenz
Durch
die kontinuierliche Veröffentlichung ihrer Förderdaten kann und soll die
DFG den Wettbewerb der Universitäten in der Forschung noch stärker
stimulieren (vgl. Internationale Kommission 1999: 34).
Hier
ist die DFG bereits seit längerem in Form des sogenannten "DFG-Rankings"
aktiv. Mit dieser Publikation hat die DFG in bisher drei Folgen (vgl. DFG
1997, 2000, 2003, Güdler 2001) über DFG-Drittmitteleinwerbungen deutscher
Hochschulen und universitätsnaher Forschungseinrichtungen in nach
Fachgebieten differenzierter Form informiert 2.
Wenig beleuchtet ist hingegen bisher die Wirkung der DFG-Förderung sowie
der Erfolg der Förderung im Sinne der Erreichung selbstgesetzter Ziele der
DFG. Diese Fragen sind aus den Antrags- und Bewilligungsdaten nicht zu
erschließen, werden in Zukunft aber erheblich an Gewicht gewinnen.
2.3 Zwischenfazit
Die skizzierten Befunde lassen sich
in folgenden Punkten resümieren:
- in der Bundesrepublik Deutschland fehlt eine Einrichtung, die
Kompetenz und infrastrukturelle Voraussetzungen für eine dauerhafte und
regelmäßige Beobachtung des Forschungssystems bereitstellt.
- die Entwicklung und Prüfung geeigneter Verfahren für ein
Forschungsmonitoring findet bisher anlassbezogen und unsystematisch
statt. Ebenso fehlt es an regelmäßig gepflegten, öffentlich zugänglichen
Datenbeständen, wie sie für Informations- oder Evaluationszwecke
benötigt werden.
- Die Aufbereitung der prozessförmig (insbesondere im
Drittmittelbewilligungsverfahren) erzeugten Informationen zur
Forschungsaktivität in Deutschland werden bisher kaum für eine
outputorientierte Analyse und Berichterstattung genutzt.
- Innerhalb der DFG ist ein Ausbau der Qualitätssicherungsverfahren
dringend nötig. Dazu müssen zunächst Verfahren entwickelt werden, die
eine Nutzung routinemäßig erzeugter Daten für derartige Zwecke erlauben.
Aufgrund des hohen Stellenwertes der DFG-Förderung im deutschen
Forschungssystem wird es zukünftig aber auch notwendig sein, issen zu
generieren, das über die bisher im Arbeitsprozess generierten
Informationen hinausgeht.
- Das in der DFG akkumulierte Wissen ist nicht nur für interne
Steuerungsprozesse relevant, sondern auch für Stimulierung von
Profilierungen und Schwerpunktbildungen im Hochschulsystem, sowie für
die Information sowohl spezialisierter Fachöffentlichkeiten als auch
einer breiteren Laienöffentlichkeit.
- Die DFG verfügt bereits heute über ein gut ausgebautes,
elektronifiziertes und somit der Analyse zugängliches Basiswissen über
ihr Förder handeln. Dieses Förderhandeln deckt einen relevant großen
Teil der mit Drittmitteln finanzierten Hochschulforschung ab. Indem die
DFG dieses Wissen zunächst ausbaut und später nutzt, um Transparenz und
Plannungswissen bezogen auf ihre eigenen Aktivitäten zu gewinnen,
schafft sie die Grundlagen für ein DFG-übergreifend zu entwickelndes
Informationsangebot.
Mit der Hilfseinrichtung IFQ würde eine Institution geschaffen, die
sowohl die interne Steuerung der größten Selbstverwaltungsagentur der
deutschen Forschung unterstützen als auch deren bereits heute gut
ausgebauten Informationspool als "Startkapital" für übergreifende Zwecke
nutzen kann. Diese doppelte Bindung schafft erst die notwendigen
Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Generierung
faktenbasierten Wissens für forschungsinformative und
evaluativ-qualitätssichernde Zwecke.
2.4
DFG-spezifischer Bedarf und übergreifende Perspektive
2.4.1 Voraussetzungen
Die bisherigen Ausführungen haben deutlich
gemacht, dass Qualitätssicherungsaufgaben in der DFG nicht mit klassischen
Controlling- oder Evaluationsverfahren gelöst werden können. Vielmehr
treffen hier die auf das eigene Förderhandeln bezogene Wirkungskontrolle
und ein prospektiv orientiertes Forschungsmonitoring als Grundlage für
strategische Entscheidungen zusammen. Beide Aufgaben sind untrennbar
miteinander verzahnt.
Die Verbindung von interner
Qualitätskontrolle und darüber hinausgehenden Aufgaben eines
Forschungsmonitorings ergeben sich aus der eingangs dargelegten besonderen
Situation der DFG. Ziel ist es, sowohl bereits vorhandenes DFG-internes
Wissen und aufbereitete Informationen zu nutzen, als auch Informationen zu
generieren, die als Hintergrund für Wirkungskontrollen bzw. als
Informationsgrundlage für strategische Entscheidungen dienen können.
Zugleich lässt sich in diesem Rahmen ein ohnehin notwendiges
Informationssystem aufbauen, das im Laufe der Zeit modular um externe
Informationen ergänzt und als öffentlich zugängliche Quelle für
Informationen zu Akteuren und Aktivitäten der deutschen Forschung bereit
gestellt werden kann. Aufbauend auf bereits bestehenden
Informationsbeständen soll so lang fristig ein Informationspool entstehen,
der die DFG selbst bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützt und ebenso
externen Zielgruppen dient.
Die enge Verzahnung der Aufgaben und
die besonderen Möglichkeiten, die sich aus der Mehrfachnutzung eines
gemeinsamen Datenbestandes ergeben, legen es nahe, die skizzierten
Aufgaben in einer Institution zu bündeln. Anknüpfungspunkte bietet am
ehesten das US-amerikanische Modell: In den USA werden aufgrund der
höheren Marktförmigkeit des Hochschulsystems Monitoring- und
Evaluationsdienstleistungen durch viele verschiedene Akteure angeboten.
Eine herausragende Stellung für die Beobachtung des gesamten nationalen
Forschungssystems nimmt dort die National Science Foundation (NSF) ein.
Eine eigenständige Abteilung, die "Division of Science Resources Studies
(SRS)" übernimmt die (gesetzlich übertragene) Funktion einer
Clearingstelle für die Erhebung, Sammlung, Auswertung und
Interpretationvon forschungs- und technologiebezogenen Daten, inklusive
eigenständiger Primärerhebungen (z.B. Surveys zu Themen wie Frauen,
Minderheiten, Nachwuchs etc.). Bei der SRS geht es vor allen Dingen um die
Bereitstellung von Daten und Analysen für staatliche und politische
Entscheidungsprozesse. Kernstück ihrer Arbeit ist der outputorientierte
regelmäßig erscheinende Bericht "Science and Engineering Indicators" (vgl.
NSF 2002), der hinsichtlich seiner Informationsbreite und -tiefe weltweit
Maßstäbe setzt (vgl. Kuhlmann 2002: 22). Aufgrund enger Kooperationen mit
einerVielzahl staatlicher Einrichtungen, aber auch mit
Forschungsinstituten, betreibt die SRS auch eigenständige
Fortentwicklungen der Berichts- und Evaluationsmethoden. Bei diesen
Kooperationsbeziehungen handelt es sich sehr bewußt um Beziehungen, die
sich um einen institutionellen Kern entwickeln und nicht um eine
Interessenkoordination im Rahmen einer korporativen Einrichtung der
beteiligten Akteure.
Ein IFQ, das - anders als im NSF/SRS-Modell -
nicht innerhalb der Fördereinrichtung, sondern als von der DFG (und ihren
Partnern) getragenes, wissenschaftliches Institut agieren soll, vereint
verschiedene Vorteile: Die DFG fokussiert auf das gesamte nationale
Forschungssystem und seine internationale Einbettung, sie verfügt über
einen ganz wesentlichen Teil qualitativ und quantitativ relevanter
Informationen zur Performanz des Forschungssystems, sie ist angesichts der
Forderungen nach strategischer Planung und Wirkungskontrolle in der
Pflicht, ihre Informationsbasis zu verbessern, sie ist institutionell so
eingebettet, dass Kooperationsbezüge leicht ent wickelt werden können, und
sie besitzt einen infrastrukturellen Nukleus, der erweitert werden kann.
Aufbauend auf diesem Fundament soll mit dem IFQ eine Einrichtung zur
Forschungsinformation und Qualitätssicherung geschaffen werden, die nicht
als zentrale Evaluationsagentur figuriert, sondern in einem ersten Schritt
in wissenschaftlich fundierter Form Qualitätssicherungsaufgaben im Auftrag
der DFG betreibt und dabei in der Verbindung von evaluativen und
informativen Elementen die Grundlagen für ein Monitoringsystem aufbaut,
das auch Dritten zugänglich ist. Die Grundphilosophie besteht darin, nicht
ein Maximalprogramm zu formulieren, sondern um einen funktionsfähigen
institutionellen Kern herum eine Einrichtung aufzubauen, die es
mittelfristig ermöglicht, über den engeren DFG Bezug hinaus an den
internationalen Standard der Information über nationale
Forschungsleistungen anzuschließen. Indem dabei von Beginn an die
Informationsinteressen weiterer forschungspolitischer Akteure mit
berücksichtigt werden, entsteht in der Entwicklungsperspektive eine
Agentur, die verschiedenste Nutzerinteressen in je spezifischer Form
bedienen kann. In der Ausbaustufe sollte das IFQ daher auch
Auftragsarbeiten übernehmen und damit einen Teil der finanziellen
Aufwendungen bestreiten können.
2.4.2
DFG-spezifischer Bedarf
In der
Gründungsphase (2004/2005) werden sich die Arbeiten des IFQ vor allem auf
die Entwicklung fachlicher Feinkonzepte konzentrieren. Zunächst
ausgerichtet auf die Förderprogramme der DFG sind solche Konzepte zu
entwickeln, die eine wissenschaftlich fundierte Bearbeitung
forschungsinformativer und programmevaluativer Fragestellungen erlauben.
Neben theoretischen Vorarbeiten sind hierbei auch erste Grundzüge eines
methodischen Instrumentariums zu definieren und schließlich auch die
technischen Rahmenbedingungen zu klären, die für eine effiziente Erhebung,
Erfassung und Analyse des sehr komplexen Datenmaterials benötigt werden.
Eine "State-of-the-art"-Betrachtung nationaler und internationaler
Aktivitäten auf dem Gebiet soll dazu beitragen, bereits früh Fragen der
Anschlussfähigkeit bzw. Standardentwicklung vor allem im Bereich der
Kennzahlenentwicklung sicher zu stellen.
Ausgehend von diesen
Vorarbeiten sind in der sog. "Aufbauphase" (2005 bis 2007) vor allem jene
Aktivitäten auszubauen, die eine programmübergreifende, outputorientierte
Wirkungsanalyse DFG-geförderter Forschung erlauben. Die
Entwicklungderartiger Analysen wird sich über einen längeren Zeitraum
erstrecken, da hier Instrumentarien zu entwickeln sind, die den jeweiligen
Programmen, vor allem aber den je besonderen Situationen der verschiedenen
Fachgebiete angemessen sind.
Dabei sind auch Vorschläge für eine
Neuorganisation DFG-interner Abläufe zu entwickeln, etwa bezogen auf das
allgemeine Berichtswesen, das - am Beispiel von Abschlußberichten
DFG-geförderter Vorhaben - hinsichtlich der evaluativen Verwertbarkeit
dort nachzuweisender Informationen völlig neuen Herausforderungen
ausgesetzt ist. Der Aufbau eines entsprechenden Informationssystems ist
damit nicht nur technisch, sondern vor allem organisatorisch
anspruchsvoll.
Auch hier liegt der Fokus auf einer Mehrfachnutzung
zu erhebender Daten. So könnten im Zuge der ohnehin notwendigen Erhebung
von Daten, die Auskunft über den Verlauf und die Erfolge DFG-geförderter
Projekte geben, auch die Abschlußberichte zu diesen Projekten selbst einer
öffentlichen Nutzung zugänglich gemacht werden. Recherchierbar wären diese
in Weiterentwicklung des DFG-Projektinformationssystems GEPRIS dann etwa
über eine zweisprachige (deutsch/englisch) Abstract-Datenbank, die
beispielsweise die Suche mit Hilfe von Förderkennzeichen, Stichworten oder
Autorennamen erlaubt. Mit der Zeit würde so ein Wissensbestand aufgebaut,
der im Wirkbetrieb jährlich um mehrere tausend Abschlußberichte anwüchse
(vergleichbar dem DSpace-Projekt des amerikanischen MIT
(www.dspace.org))3.
Mit diesem Angebot wäre die DFG dann auch inhaltlich über die Ergebnisse
und Erfolge der von ihr geförderten Projekte und Programme auskunftsfähig
- gegenüber ihren Gremien, aber auch gegenüber der an Forschung und
Forschungsförderung interessierten Öffentlichkeit.
Neben der
Erschließung von Informationen, die Antragsteller direkt zu
DFG-geförderten Projekten zur Verfügung stellen, läge ein weiterer
Schwerpunkt in der Erhebung zusätzlicher Daten bzw. in der Erschließung
weiterer Quellen. Vor allem hier kommt die wissenschaftssoziologische
Expertise zum Tragen, die am IFQ aufzubauen ist: Zu nennen sind
Verbleibsstudien, die Auskunft über die weiteren Karrierewege
DFG-geförderter Stipendiaten bzw. von wissenschaftlichen Mitarbeitern aus
DFG-geförderter Projekten geben (und somit beispielsweise auch konkrete
Daten zum oft beklagten, aber bisher kaum quantifizierten "brain drain"
deutscher Wissenschaftler). Durchzuführen wären weiterhin Auswertungen von
Publikations-, Zitations- und Patentdatenbanken, die - für ausgewählte
Gebiete - Informationen zur Performanz sowie der Rezeption DFG-geförderter
Forschung liefern könnten. Die Palette der je Untersuchungsfeld relevanten
Informationen wäre - wie ein im Auftrag der DFG erstelltes Gutachten zum
Stand der Forschung im Bereich Forschungsevaluation betont - in enger
Zusammenarbeit mit Fachvertretern zu entwickeln (vgl. Hornbostel 2000)4.
Im wissenschaftlichen Austausch mit nationalen und internationalen
Experten wäre dieses Know-how ständig zu erweitern.
Auf Basis der
so entwickelten Methoden und Instrumente und der damit gewonnenen Daten
soll es schließlich möglich sein, wissenschaftlich begründete und
empirisch gestützte Aussagen zum Erfolg und zu den spezifischen Leistungen
DFG-geförderter Forschung in je speziellen Programmen
(Sonderforschungsbereiche, Normalverfahren, Schwerpunktverfahren etc.) und
Gefördertengruppen (Geförderte eines Fachgebiets, einer Region oder einer
Institution etc.) zu treffen. Aussagen zur nationalen und internationalen
"Vernetzung" DFG-geförderter Forschung (vgl. DFG 2003, Güdler 2003) wären
ebenso zu treffen wie zu deren Interdisziplinarität, zu aus Projekten
resultierenden Produkten (Publikationen, Anwendungen, Patenten),
Qualifizierungen(Diplomarbeiten, Promotionen) und schließlich zu ihren
strukturellen Wirkungen (vor allem bei koordinierten Programmen). Hierbei
handelt es sich ausdrücklich nicht um irgendeine Form des Re-Reviewing
sondern um eine neue Form der Strukturbetrachtung, d.h. Programmbereiche,
Förderverfahren oder thematische Bereiche und nicht das im Einzelnen
bereits beurteilte Projekt wären Gegenstand der Analyse.
Mittelfristiges Ziel dieser Bemühungen ist die Unterstützung eines
Berichtswesens, das - ganz im Sinne des "Strategic Plans" der
amerikanischen National Science Foundation (vgl. NSF 2000) - schrittweise
aufgebaut über die wichtigsten Förderziele der DFG und deren
Zielerreichungsgrad informiert und so als Planungs- und Re
chenschaftsinstrument der DFG zu nutzen ist.
2.4.3 DFG-übergreifende Perspektive
In der sog. "Betriebsphase" (ab 2007)
wären schließlich auf der Grundlage der bis dahin gemachten Erfahrungen
sowie unter Nutzung von weiter auszubauenden und zu entwickelnden
Datenbeständen, Methoden und Instrumenten die Informationsinteressen
weiterer Förderer, Forschungsorganisationen bzw. forschungspolitischer Ak
teure zu bedienen. Zu nennen ist hier vor allem der Wissenschaftsrat, der
mit dem IFQ auf einen Dienstleister zugreifen könnte, der diesen nicht nur
(bereits in Phase II) bei seinen Bemühungen um die Bewertung der von der
DFG angebotenen Programme mit Daten und Analysen unterstützt, sondern auch
einen empirischen und methodisch beratenden Beitrag für die in Zukunft
verstärkt wahrzunehmenden Querschnittsevaluationen (etwa von Fächern)
leistet.
Gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern lassen
sich schließlich Dienstleistungen entwickeln, die DFG-übergreifende
Aussagen zu den "Centers ofExcellence" der Forschung in Deutschland
erlauben. In dieser Phase wäre auch der Aufbau eines europaweit
vergleichenden "Benchmarking"-Systems, das Aussagen zu den
Forschungsprofilen der in verschiedenen Fachgebieten "führenden"
Einrichtungen erlaubt, voran zu treiben: Indem das IFQ bereits im Vorfeld
Absprachen mit international vergleichbaren Einrichtungen hinsichtlich der
Methodik sowie der Kompatibilität von Daten führt, wäre es erstmals
möglich, die zunehmend und in den verschiedensten Kontexten geführte
Diskussion um Existenz und Profil von "Leuchttürmen",
"Elite-Universitäten" und "Forschungsclustern" auf ein empirisches
Fundament zu stellen.
In der dritten Phase könnte sich das IFQ
damit zu einem deutschen Kompetenzzentrum für Forschungsinformation,
Monitoring und Evaluation entwickeln. Der bis dahin aufgebaute
Indikatorenapparat wäre systematisch zu erweitern und sowohl mit
Zielgruppen außerhalb der DFG abzustimmen wie von diesen zu nutzen. Ein
Kooperationsnetzwerk einschlägig aktiver Institutionen, dessen Grundlagen
bereits in der Aufbauphase zu schaffen wären, könnte dann dazu beitragen,
auf der Basis gemeinsam entwickelter Standards Mehrfacherhebungen zu
vermeiden und andererseits ein breites, in sich homogenes
Informationsangebot zu offerieren.
Das Aufgabenprofil vor allem
der dritten Phase kann und soll zum jetzigen Zeitpunkt nicht im Detail
dargestellt werden. Es ist Teil des hier vorgestellten Konzepts, dass eine
Konkretisierung der Aufgaben des IFQ im "Normalbetrieb" abhängig ist von
den bis dahin erreichten Zielen, den als praktikabel eingeschätzten
Vorgehensweisenund den Informationsanforderungen, die dann auch von
Dritten an das IFQ herangetragen werden.
3 Organisatorisches Profil und Ausstattung
3.1 Organisationsform
Das dauerhafte
Aufgabenspektrum des IFQ, so wie es vorangehend entwickelt wurde, lässt
sich wegen der Komplexität des zu beobachtenden Feldes und des hierfür
erforderlichen anspruchvollen methodischen Know-hows nur im Rahmen einer
wissenschaftlichen Einrichtung bedienen. Eine wissenschaftliche
Einrichtung, die die beschrieben Aufgaben direkt übernehmen könnte,
existiert in Deutschland bisher nicht (vgl. Kuhlmann 2002). Notwendig ist
daher ein Neuaufbau. Um gleichermaßen den wissenschaftlichen Austausch
sowie den Charakter einer auch auftragsgebundenen Einrichtung zu wahren,
empfiehlt sich die Konstruktion einer DFG-Hilfseinrichtung, die als
An-Institut einer Hochschule oder hochschulnahen Forschungseinrichtung
anzugliedern wäre. Auf diese Weise wären zum einen die organisatorischen
Voraussetzungen für eine serviceorientierte Ausrichtung des Instituts
gegeben; zum anderen wäre so auch organisatorisch eine wichtige
Rahmenbedingung für die Entwicklung eines ausgeprägt wissenschaftlichen
Profils gegeben.
3.2 Planerische Vorarbeiten
Der Vorschlag zur Gründung einer
entsprechenden Hilfseinrichtung wurde im Jahr 2002 der
Bund-Länder-Kommission (BLK) vorgelegt, die nach grundsätzlicher
Zustimmung die für diese Einrichtung erforderlichen Mittel im Haushalt der
DFG mit Sperrvermerk zugesichert hat. Der Sperrvermerk war mit der Auflage
versehen, mit Wissenschaftsrat und Kultusministerkonferenz (KMK) eine
Abstimmung über den Bedarf an einer entsprechenden Einrichtung abzuklären.
Diese Abklärung erfolgte zunächst mit Vertretern des
Wissenschaftsrats und in einem zweiten Schritt im Rahmen eines
Experten-Hearings, das auf Einladung der KMK am 15. Juli 2003 in Bonn
stattfand. Neben Landesvertretern und Repräsentanten großer Förder- und
Forschungsorganisationen nahmen an dieser Veranstaltung Rolf Lehming,
Direktor der Abteilung für Science & Engineering Indicators, Division
of Science Resources Statistics (SRS) der amerikanischen National Science
Foundation (NSF), Prof. Jürgen Krause, Direktor des Informationszentrums
Sozialwissenschaften (GESIS/IZ), Bonn und Dr. Stefan Hornbostel,
Universität Jena teil um das durch DFG-Vertreter vorgestellte
Einrichtungskonzept des IFQ zu diskutieren.
Die Veranstaltung
führte zu der Empfehlung der KMK, die Mittel im Haushalt der DFG zu
entsperren, mit dem Vorschlag, in der Gründungs- und Aufbauphase die
Arbeiten auf den engeren Bereich DFG-geförderter Forschung zu
konzentrieren und nach Ablauf dieser Phase (2007) eine Evaluation der bis
dahin erfolgten Aktivitäten zur Bedingung für die weitere Förderung zu
machen.
Die BLK fasste darauf folgend am 7. Oktober 2003
einstimmig den entsprechenden Beschluss.
3.3 Trägerschaft
Der Träger des Instituts soll
ein eingetragener, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn sein. In der
Gründungs- und Aufbauphase tritt dieser als nicht-rechtsfähiger,
gleichwohl mit allen relevanten Handlungsvollmachten ausgestatteter Verein
auf. An dessen konstituierender Sitzung, die am 1. März 2004 in Bonn
stattfand, waren Vertreter der folgenden Einrichtungen beteiligt:
- Humboldt-Universität Berlin
- Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin (WZB)
- Deutsche Forschungsgemeinschaft
Diese Organisationen
bilden zum aktuellen Zeitpunkt die Mitglieder des Vereins. Satzung,
Teilnehmerliste und Protokoll der Gründungsversammlung sind diesem Antrag
als Anlage beigefügt.
3.4 Struktur
Das Institut soll seinen Sitz zunächst in Bonn
haben, um in der Gründungs- und Aufbauphase eine enge Zusammenarbeit mit
der Geschäftsstelle der DFG zu befördern.
Die Mitgliederversammlung
des Vereins legt die Richtlinien für die Tätigkeit des Instituts fest. Sie
bestimmt die Aufgaben des Vereins und die Richtlinien für seine Arbeit und
schließlich auch über die Übernahme weiterer Aufgaben und die Aufnahme
weiterer Mitglieder.
Die Mitgliederversammlung wählt den Vorstand,
dem ein Präsidiumsmitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft angehören
muss. Er beaufsichtigt die Tätigkeit des Instituts.
Der Verein erhält
einen Beirat, in den mehrheitlich sachverständige Persönlichkeiten aus dem
In- und Ausland berufen werden sollen, die Erfahrung mit der
wissenschaftlichen Bearbeitung von Forschungsinformation und
Qualitätssicherung haben und so die Tätigkeit des Instituts beurteilen
können. Der Beirat nimmt zur Aufgabenerfüllung des Instituts gegenüber der
Mitgliederversammlung des Vereins Stellung. Er kann Empfehlungen zu den
wahrzunehmenden Aufgaben und zu den Voraussetzungen für die
Aufgabenerfüllung aussprechen.
An der Spitze des IFQ steht
schließlich der Geschäftsführer (wissenschaftlicher Direktor). Der
wissenschaftliche Direktor wird auf Vorschlag des Vorstands von der
Mitgliederversammlung bestellt.
3.5 Ausstattung
Unabdingbar für die
Entwicklung des Instituts ist ein Personalstamm, der einerseits die
datentechnische Seite und andererseits die Bereiche Datenakquise,
statistische Analysen und Datenaufbereitung, Methoden- und
Instrumentenentwicklung, Umfragebetreuung und bibliometrische Analysen und
Dokumentation bedienen kann. Weiterhin wird ein Minimum an
Verwaltungsinfrastruktur benötigt. In der Aufbauphase(bis 2007) ist ein
Personalstamm von bis zu 12 Personen anzustreben. Als Zielgrößeeiner
Einrichtung, die - wie hier vorgeschlagen - über die DFG hinaus auch
andere Auftraggeber bedient, erscheint in den Folgejahren ein
Personalstamm von ca. 25 Mitarbeitern als angemessen (zzgl. befristet
beschäftigtem Drittmittelpersonal zur Wahrnehmung zeitlich befristeter
Projektaufgaben). Die Abschätzung dieser Zielgröße ergibt sich aus dem
Vergleich mit erfolgreich arbeitendem Einrichtungen im Ausland: Das
"Observatoire des Sciences et des Techniques (OST)", Frankreich
beschäftigt allein für den Aufgabenkomplex "Indikatoren-gestützte
Forschungsberichterstattung" knapp zwanzig Mitarbeiter. Das Schweizer
"Center for Science and Technology Studies (CEST)", hervorgegangen aus dem
Schweizer Wissenschaftsrat, umfasst ein Kompetenzzentrum Scientometrie
(CCS), Einheiten für Evaluation (EV), Technologie und Innovation (TI), für
Prospection (PRO) sowie eine Dokumentationsstelle für
Wissenschaftspolitik. Insgesamt sind dort etwa 15 Personen beschäftigt.
Das britische Institut für "Science and Technology Policy Research
(SPRU)", University of Sussex, England 5 sowie die amerikanische "Division for Science Resource Studies (SRS)" der
amerikanischen National Science Foundation (NSF), Washington, verfügen
schließlich über einen Personalstamm von jeweils etwa sechzig (überwiegend
wissenschaftlichen) Mitarbeitern.
Die folgende Übersicht weist den
Personalbedarf in Form kurz skizzierter Aufgabenprofile sowie den
Sachbedarf der ersten beiden Förderjahre aus. Detaillierte Angaben zu den
hiermit verbundenen Kosten gibt der als Anlage beigefügte Wirtschaftsplan.
Im Jahr der Gründung des Instituts soll zunächst der
wissenschaftliche Leiter bestellt werden. Unterstützt durch eine
Assistenzkraft sowie einen wissenschaftlichen Mitarbeiter entwickelt
dieser das fachliche und organisatorische Feinkonzept des IFQ. In
Abstimmung mit der DFG fokussiert er dabei insbesondere auf den Bedarf
dieser Fördereinrichtung an programmevaluativen Maßnahmen.
- Die Leitung des IFQ wäre einer Person zu übertragen, die auf dem
Gebiet der empirischen Wissenschaftsforschung über ein ausgewiesenes
wissenschaftliches Profil verfügt. Nur so ist eine wirklich
professionelle Gestaltung der anstehenden Aufgaben und die Akzeptanz
durch für die gemeinsame Klärung von Sachfragen hinzuzuziehenden
Partnern gewährleistet. Bekannt ist, dass der Markt für solche Experten
in Deutschland (wie weltweit) sehr eng ist. Vor allem die Leiterstelle
muss deshalb entsprechend attraktiv gestaltet werden. Vorgeschlagen wird
daher, die Leitung in Anlehnung an eine C4/W3-Professur zu dotieren. Mit
der Besetzung der Leiterstelle durch einen ausge wiesenen
Wissenschaftsforscher würde zum einen ein deutliches Signal hinsichtlich
des wissenschaftlichen Anspruchs der in Angriff zu nehmenden Aufgaben
gesetzt. Zum anderen würden so bereits in der Aufbauphase die
Bedingungen für eine sich in der Betriebsphase (ab 2007) intensivierende
Kooperation mit der Hochschule (z.B. in Form eines gemeinsam
entwickelten Lehrangebots) geschaffen. Vorgesehen ist, die Leiterstelle
des IFQ nach der Anschubfinanzierung aus dem Förderetat der DFG über
eine (Stiftungs)-Professur zu finanzieren. Hierzu werden an den am
Trägerverein IFQ beteiligten Hochschulen bereits Sondierungsgespräche
geführt. Auf diese Art wäre eine feste Verbindung zum wissenschaftlichen
Umfeld sowie ein auf Dauer geregelter Austausch mit dem
wissenschaftlichen Nachwuchs auf dem hier verhandelten Gebiet
gewährleistet - zum Vorteil des wissenschaftlichen Feldes wie zum
Vorteil des IFQ, das von dieser Nähe direkt profitieren könnte.
- Der das Gründungs- oder auch "Nukleus"-Team unterstützende
wissenschaftliche Mitarbeiter trägt vor allem zur Methodenentwicklung
bei. Neben einer Bestandsaufnahme einschlägiger Datenquellen plant er
die notwendigen Schritte zur Harmonisierung verschiedener Quellen im
Sinne einer Standardbildung. Weiterhin konzipiert er in enger Abstimmung
mit vergleichbaren Einrichtungen im In- und Ausland den Aufbau neuer
Informationssysteme.
- Die Assistenzkraft ist im Umgang mit modernen Werkzeugen der
Bürokommunikation vertraut und unterstützt die Wissenschaftler bei der
Erstellung von
Präsentationen und Dokumentationen sowie bei der
Vorbereitung und Durchführungen von Sitzungen und
institutsübergreifenden Arbeitsbesprechungen. Wegen der häufig
international geführten Korrespondenz und der internationalen Besetzung
entsprechender Arbeitsgruppen sind englische Sprachkenntnisse
Voraussetzung.
Die Unterbringung des "Nukleus"-Teams erfolgt
zunächst in von der DFG angemieteten Räumen. Die Geschäftsstelle leistet
in dieser Phase administrative Unterstützung, etwa bzgl. der
Personalrekrutierung und Gehaltsabrechnung sowie bzgl. der
Arbeitsplatzausstattung (incl. Informationstechnik).
Im Folgejahr
ist der wissenschaftliche Leiter des Instituts zunächst mit der
Rekrutierung eines fachlich qualifizierten Personalstamms befasst. Die
Besetzung von Stellen soll zum einen mit jungen Nachwuchswissenschaftlern
erfolgen, die über erste Erfahrungen in den zur Diskussion stehenden
Gebieten verfügen. Zum anderen soll versucht werden, erfahrene
Wissenschaftler für eine Mitarbeit zu gewinnen - etwa in Form von
befristeten Delegationen aus Einrichtungen, die verwandte Fragestellungen
bearbeiten. Der Wert solcher Delegationen ist zum einen im
Erfahrungsschatz der so auf Zeit gewonnenen Mitarbeiter zu sehen. Zum
anderen leisten diese Delegationen einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung
auf dem Gebiet aktiver Einrichtungen.
Ausgehend vom durch das
Gründungsteam entwickelten Rahmenplan entwickeln die so rekrutierten
Mitarbeiter beispielhaft die folgenden Leistungen:
- Ein wiss. Mitarbeiter für Datenakquise und -aufbereitung prüft
verschiedene bereits von anderen Anbietern produzierte Datenquellen
(etwa Publikations- und Zitationsdatenbanken, Datenbanken großer
Förderer etc.) auf ihre Eignung für forschungsinformative und
-evaluative Zwecke und entwickelt Konzepte zur je spezifischen
Aufbereitung dieser Daten. Gemeinsam mit dem bereits in der
Gründungsphase rekrutierten Experten für Methodenfragen trägter
weiterhin zum Aufbau neuer Quellen bei. Er leistet schließlich auch
einen Beitrag zur nationalen und internationalen Standardbildung, indem
er in intensivem Kontakt mit Anbietern und Nachfragern entsprechender
Daten einenKatalog von eine gemeinsame Nutzung gewährleistenden Regeln
entwickelt.
- Ein wiss. Mitarbeiter für statistische Analyse ist im Schwerpunkt
mit der statistischen Auswertung verschiedener Informationssysteme
befasst. Nebentraditionell etablierten Verfahren nutzt er dabei auch
vielversprechende neue Ansätze der Analyse und graphischen Aufbereitung
von Daten (etwa Netzwerkanalysen, kartographische Analysen etc.). Zu
seinen Aufgaben gehört es weiterhin, wiederum in enger Abstimmung mit
Vertretern einschlägig tätiger Einrichtungen, die Entwicklung
institutsübergreifender Analysestandards zu befördern. Gerade das Fehlen
entsprechender Standards trägt angesichts eines stetig breiter werdenden
Nachfragemarktes nach entsprechenden Infomationen (z.B. Volumen
eingeworbener Drittmittel) zu einer kaum noch tragbaren
Mehrfachbelastung solcher Daten aufbereitender Stellen (etwa an den
Hochschulen) bei.
- Ein Sachbearbeiter für statistische Analysen unterstützt das
einschlägig tätige Team bei der Programmierung entsprechender Abfragen
sowie bei der Produktion tabellarischer und graphischer Darstellungen.
Er verfügt hierzu über ausgewiesene Erfahrungen mit statistischen
Analyse- und Grafikprogrammen.
- Ein wiss. Mitarbeiter für bibliometrische Analysen widmet sich
schwerpunktmäßig der Auswertung von Literatur- und Zitationsdatenbanken.
Weil die für solche Zwecke standarmäßig herangezogenen Produkte des
amerikanischen Institute for Scientific Information (ISI) (z.B. Science
Citation Index (SCI), Social Science Citation Index (SSCI) di deutsche
(oder besser: die nicht-englischsprachige) Situation in vielen Fächern
nur ungenügend Rechnung tragen, prüft er zum einen andere
Nachweissysteme (z.B. Projekt-, Publikations- oder Patentdatenbanken)
auf ihre Eignung für bibliometrische Zwecke. Langfristig plant und
koordiniert er darüber hinaus den Neuaufbau von geeigneten zusätzlichen
Quellen. Er konzipiert darüber hinaus entsprechende Studien, die
zumindest in der Aufbauphase im Auftragsverfahren an Dritte zu vergeben
wären.
- Ein Sachbearbeiter für Internetpräsentation und Publikation
verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit des Instituts. Er konzipiert und
administriert die Homepage des Instituts sowie das Erscheinungsbild der
verschiedenen Zwecken und Zielgruppen dienenden Informationsmaterialien
und Publikationen.
- Zwei studentische Mitarbeiter unterstützen das bis hier genannte
Team bei allen Arbeiten.
- Ein wiss. Mitarbeiter für Konzeption und Aufbau wissenschaftlicher
Datenbanken koordiniert die IT-Leistungen, die zur Erbringung der oben
skizzierten Leistungen erforderlich sind. Die hohe Abhängigkeit des
Instituts von innovativen IT-Dienstleistungen lässt es angebracht
erscheinen, diese eher als Dienstleistungen Dritter am Markt
"anzukaufen", als sie im Rahmen einer eigenen großen IT-Abteilung selbst
zu erbringen. Der Stelleninhaber ist in diesem Sinne daher auch für die
wirtschaftliche Planung und Ausschreibung entsprechender
Dienstleistungen sowie für die Kommunikation mit Anbietern und die
erfolgreiche Durchführung entsprechender IT-Projekte verantwortlich.
- Ein Anwendungsprogrammierer unterstützt das wissenschaftliche Team
bei der Entwicklung hausinterner Datenhaltungs- und Analysesysteme sowie
beider Entwicklung von internetbasierten Erhebungsinstrumenten und
Suchformularen.
- Mit Erreichen einer kritischen Masse von 6 bis 8 Mitarbeitern
erfolgt der Aufbau einer eigenen Verwaltungsabteilung unter Leitung
einer Verwaltungsfachkraft. Mit dem Aufbau dieser Abteilung endet die
administrative Aufbauhilfe der Geschäftsstelle der
- Die Verwaltungsfachkraft wird unterstützt durch einen
Sachbearbeiter.
- Die sächlichen Verwaltungskosten setzen sich zunächst vor allem aus
Kosten für Miete, Mobiliar und Ausstattung zusammen. Kosten entstehen
weiterhin mit der Durchführung von Workshops unter nationaler und
internationaler Beteiligung sowie durch die Einladung von
Gastwissenschaftlern. Einen besonderen Posten bilden weiterhin die
Kosten für Öffentlichkeitsarbeit, wiss. Publikationen und
Dokumentationen sowie für Recherchen in kostenpflichtigen Datenbanken.
- Der spezifischen Ausrichtung entsprechend tragen vor allem die
Kosten für Informationstechnik zum Etat des Instituts bei. Neben den
üblichen Kosten fürdie Ausstattung von Arbeitsplätzen, den Serverbetrieb
sowie die Unterhaltungeines Netzwerkes treten Kosten für die überwiegend
extern durchzuführende Entwicklung datenbankgestützter
Informationssysteme sowie für spezielle Analysesoftware hinzu. Die
Betreuung des laufenden Betriebs soll in Form eines Fernwartungsvertrags
erfolgen.
In der Summe sind für das Jahr der Gründung (2004)
Kosten in Höhe von 195.000 Euro angesetzt. 2005 schlägt mit 1.254.000 Euro
zu Buche, etwa je zur Hälfte Personal- und Sachkosten. Eine genaue
Aufschlüsselung der Ansätze bietet der als Anlage beigefügte
Wirtschaftsplan in Form eines Doppelhaushalts für die Jahre 2004 und 2005.
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Fußnoten
1 Die DFG verfügt seit Beginn der 80er
Jahre über eine datenbankgestützte Datenhaltung. Seit Mitte der 90er Jahre
werden antrags- und begutachtungsrelevante Daten dezentral durch etwa
zweihundert Mitarbeiter jährlich erfasst - vorrangig mit dem Ziel, diese
Daten für bearbeitungsrelevante Zwecke zu nutzen (z.B. datenbankgestützte
Generierung von Formschreiben). Heute dokumentieren die Daten-banken
Informationen zu annähernd 300.000 beantragten und bewilligten Projekten
und mehr als 100.000 Antragstellern und Gutachtern der DFG. ↑
2 Mit der letzten Ausgabe (2003) wurde das
Berichtsspektrum auf Daten weiterer Förderer ausgeweitet und erlaubt so
etwa auch Aussagen zur Attraktivität einzelner Standorte und Fächer für
ausländische Gastwissenschaftler, zum insgesamt eingeworbenen
Drittmittelvolumen sowie zur Beteiligung am 5. Rahmenprogramm der EU.
Bezogen auf die DFG wurde das Spektrum um eine Darstellung der Her kunft
von DFG-Gutachtern sowie der Einbindung in Kooperationsnetzwerke in den
von der DFG an gebotenen koordinierten Programmen erweitert
(vgl. http://www.dfg.de/dfg_profil/evaluation_statistik/ranking/index.html). ↑
3 Ein enger Bezug besteht auch zu den
HRK-Empfehlungen für ein neues Informations- und Publikationssystem, das
in diesem Zusammenhang u.a. ein verstärktes Engagement von
Forschungsförderern empfiehlt (vgl. HRK-Informationsdienst HRK/51/02-5768)
sowie zur Open-Access-Initiative führender deutscher Forschungs- und
Förderorganisationen (vgl. http://www.zim.mpg.de/openaccess-berlin/berlin_declaration.pdf ). ↑
4 So spielen etwa Patentanmeldungen in den
Ingenieurwissenschaften eine ungleich gewichtigere Rolle als in den
Geistes- und Sozialwissenschaften und sind deshalb dort auch eher als
"Leistungsziffer" zu interpretieren. ↑
5 Laut
Selbstdarstellung "one of the world leaders in policy research on science,
technology and innovation (STI) and its wider economic, social and
environmental implications". ↑ |