Antrag auf Förderung der Hilfseinrichtung „Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ)“
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Antragsteller: Trägerverein Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ)
Bonn 2004

Inhalt
1 Zielsetzung
   
2 Ausgangssituation
2.1 Entwicklungen und Desiderata im deutschen Forschungssystem
2.2 Die Ausgangssituation der DFG
2.3 Zwischenfazit
2.4 DFG-spezifischer Bedarf und übergreifende Perspektive
2.4.1 Voraussetzungen
2.4.2 DFG-spezifischer Bedarf
2.4.3 DFG-übergreifende Perspektive
   
3 Organisatorisches Profil und Ausstattung
3.1 Organisationsform
3.2 Planerische Vorarbeiten
3.3 Trägerschaft
3.4 Struktur
3.5 Ausstattung
   
4 Literatur
 
 


1 Zielsetzung

Der hier vorliegende Antrag auf Förderung eines "Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ)" reagiert auf eine Defizitanalyse des deutschen Forschungssystems im Allgemeinen und der Forschungsförderung durch die DFG im besonderen zurück, wie sie in den Empfehlungen der Gutachterkommission für die Systemevaluation der DFG und MPG dargelegt wurde. Demnach fehlt im deutschen Forschungssystem bislang ein kontinuierliches Qualitäts- und Informationsmanagement, das Auskunft über die Stärken und Schwächen der deutschen For schung und der diese bedienenden Förderinstrumente gibt: Es mangelt bisher noch an einem kontinuierlichen Monitoring des Systems, das Fehlentwicklungen aufzeigen und zur Koordination von Aufgaben und Organisationsformen seiner einzelnen Teile beitragen könnte, sowie an effektiven Elementen zur Stimulierung insbesondere des einrichtungsübergreifenden Wettbewerbs. ... Das Verständnis für Aufgaben eines kontinuierlichen Organisations- und Qualitätsmanagements ist nur unzureichend entwickelt. Es gibt noch kein transparentes, institutionenübergreifendes System der Qualitätssicherung, und auch innerhalb der einzelnen Hochschulen mangelt es an wirksamen Qualitätskontrollen (Internationale Kommission 1999: 17).

Drei Aufgabenkomplexe stehen dabei im Vordergrund:
Forschungsinformation: Bereitstellung allgemein zugänglicher Informationen über Akteure, Projekte und Leistungen der Forschung in Deutschland, etwa mit Hilfe datenbankgestützter Forschungsinformationssysteme. Förder- und Forschungs-Monitoring: Dauerhafte Beobachtung von Entwicklungen in der (öffentlich geförderten) Forschung auf der Basis eines wissenschaftlich fundierten Sets an etablierten, vor allem aber neu zu entwickelnden Kennzahlen und Indikatoren. Qualitätssicherung: Nutzung der im Monitoringverfahren sowie in Form von Sondererhebungen gewonnenen Daten für Evaluationsstudien zur Effizienz und Effektivität von Förderprogrammen bzw. den Desiderata des Förderungsangebotes.

Diese Aufgaben werden in Deutschland bislang nicht in ausreichendem Umfang bearbeitet, weil es - im Gegensatz zu vielen benachbarten Ländern oder beispielsweise zu den USA - bisher nicht gelungen ist, die institutionellen Voraussetzungen hierfür zu schaffen. Daher wird hier der Aufbau eines wissenschaftlichen "Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ)" vorgeschlagen, das diese Aufgaben in Zukunft wahrnehmen soll.
Das Leistungsspektrum des Instituts soll sich dabei im wesentlichen in einem dreistufigen Prozess entwickeln:

1. Konzeptions- und Gründungsphase (2004/2005): Unter Leitung eines ausgewiesenen Wissenschaftsforschers soll zunächst ein sich aus drei bis vier Personen zusammensetzender "Nukleus" der Agentur aufgebaut werden, der in enger Abstimmung mit der Geschäftsstelle der DFG zunächst für den Bedarf der DFG einen konkreten Umsetzungsplan entwickelt. Die hier konzipierten Instrumente und Informationsbestände sind dabei von Beginn an so zu entwickeln, dass in mittlerer Perspektive (ab 2007) einer Ausweitung des Leistungsspektrums auf DFG-übergreifende Forschungsinformations- und Qualitätssicherungsanforderungen möglich wird.
2. Aufbauphase (2005 bis 2007): In der zweiten Phase werden Leistungen für die DFG entwickelt und - teilweise modellhaft - implementiert. Organisatorisch erfolgt der weitere personelle Aufbau bis zu einer Größe von circa zwölf Mitarbeitern. Weiterhin sollen Arbeitsbeziehungen zu national und international auf dem Gebiet aktiven Einrichtungen aufgenommen werden.
3. Betriebsphase (ab 2007): In der Betriebsphase entwickelt sich das IFQ auf der Basis der bis dahin entwickelten Methoden und Instrumente sowie der dabei aufgebauten Datenbestände zu einer wissenschaftlichen Einrichtung, die auch weiteren Förderern und wissenschaftspolitischen Akteuren dient. Für die DFG zum Teil modellhaft entwickelte Monitoringsysteme werden in den regulären Betrieb überführt und es werden - abhängig von der Bedarfslage und den personellen und finanziellen Ressourcen - weitere Angebote entwickelt. In der Betriebsphase soll das IFQ in Anlehnung an erfolgreich arbeitende Vergleichseinrichtungen im Ausland eine Betriebsgröße von circa 25 Mitarbeitern erreichen. Die enge Anbindung an eine Hochschule soll vor allem in dieser Phase dazu beitragen, die Nachwuchslücke auf dem betroffenen Gebiet zu schließen - etwa durch gemeinsam mit dieser Hochschule zu entwickelnde Aufbaustudiengänge oder weitere Qualifizierungsmöglichkeiten.

Der Vorschlag einer zunächst auf die Deutsche Forschungsgemeinschaft und deren Förderprogramm fokussierten Gründungs- und Aufbauphase ergibt sich aus der doppelten Rolle, die die DFG als zentrale Selbstverwaltungseinrichtung der deutschen Forschung einnimmt: Einerseits ist sie selbst Nachfrager evaluativer und analytischer Informationen - und wird dies angesichts wachsender Effizienz- und Rechenschafts anforderungen zukünftig verstärkt sein. Andererseits ist die DFG durch ihren Kontakt zu jährlich über 20.000 Antragstellern sowie zu mehreren tausend Gutachtern, die deren Anträge einer Prüfung unterziehen, ein privilegierter Anbieter von Informationen über das Forschungsgeschehen in Deutschland. Dieses Wissen bildet sich schon heute in zentralen Teilen in den Datenbanken1 der DFG ab und wird für DFG-übergreifende Zwecke genutzt. Beispielhaft erwähnt seien hier das Projektinformationssystem GEPRIS, eine über das Internet zugängliche Abstract-Datenbank, die über die Ziele und die verantwortlichen Leiter DFG-geförderter Forschungsvorhaben informiert (vgl. http://gepris.dfg.de/), oder das sog. "DFG-Förder-Ranking", das neben einer Reihe weiterer Kennzahlen Auskunft über das DFG-Bewilligungsvolumen je Hochschule bzw. außeruniversitärer Forschungseinrichtung und Fachgebiet gibt 1.
Die DFG verfügt seit Beginn der 80er Jahre über eine datenbankgestützte Datenhaltung. Seit Mitte der 90er Jahre werden antrags- und begutachtungsrelevante Daten dezentral durch etwa zweihundert Mitarbeiter jährlich erfasst - vorrangig mit dem Ziel, diese Daten für bearbeitungsrelevante Zwecke zu nutzen (z.B. datenbankgestützte Generierung von Formschreiben). Heute dokumentieren die Datenbanken Informationen zu annähernd 300.000 beantragten und bewilligten Projekten und mehr als 100.000 Antragstellern und Gutachtern der DFG ( http://www.dfg.de/dfg_profil/evaluation_statistik/ranking/index.html). GEPRIS ist ein Beispiel für eine sog. "qualitative" Informationsdienstleistung ("Wer und Was wird gefördert?"), das sog. "DFG-Ranking" informiert dagegen in "quantifizierender" Form ("In welchem Umfang wird gefördert?", "Welche institutionellen und regionalen fachlichen Schwerpunktsetzungen DFG-geförderter Forschung lassen sich feststellen?").

Indem das IFQ diesen Informationsbestand in wissenschaftlich fundierter Form systematisch nutzt und erweitert, ergibt sich für diese Einrichtung eine solide Ausgangsposition für ein Informationssystem, das neben der Förderung auch und vor allem Ergebnisse und Erfolge von Forschung in den Blick nimmt. Dies sind Voraussetzungen für ein umfassendes Monitoring sowie - in längerfristiger Perspektive - auch für ein internationales Benchmarking von Förderung und Forschung.
Schließlich ist diese Initiative zum Aufbau des IFQ von der Überzeugung getragen, dass die beschriebenen Aufgaben originäre Bestandteile des Selbststeuerungssystems der Wissenschaft sind und daher auch nicht in Gestalt einer staatlichen Anstalt, sondern als wissenschaftsnahe Organisation institutionalisiert werden sollten.
Der Antrag beschreibt zunächst die Ausgangssituation bezogen auf das deutsche Forschungssystem sowie - im Schwerpunkt - bezogen auf die DFG. Weiterhin wird hier der DFG-spezifische Bedarf an Forschungsinformation ausgeführt. Dem folgt ein Kapitel, das als Konsequenz aus der zuvor beschriebenen Bedarfslage organisatorische Rahmenbedingungen für den Aufbau eines IFQ skizziert. Die in den skizzierten Phasen anfallenden Aufgaben werden beispielhaft ausgeführt. Ein abschließendes Kapitel skizziert den Ausstattungsbedarf des IFQ in der Gründungs- und Aufbauphase.


2. Ausgangssituation
2.1 Entwicklungen und Desiderata im deutschen Forschungssystem

In den europäischen Nachbarländern haben sich in den letzten Jahren angesichts von knapper werdenden Mitteln, internationalem Konkurrenzdruck, von Effizienzproblemen, aber auch erhöhten Anforderungen an Transparenz und "Accountability" unterschiedlichste Reformansätze für das Hochschul- und Forschungssystem entwickelt. In den meisten Ländern war dieser Prozess begleitet durch den Aufbau und die Institutionalisierung von Bewertungs- und Beobachtungsprozeduren. Das Spektrum reicht dabei von Evaluationsverfahren, an deren Ergebnis die Zuweisung von Grund- ausstattungen gebunden wird (in GB) über Formen des Peer Reviews im Rahmen einer leistungsbezogenen Mittelverteilung ("conditional financing") (NL) bis hin zu reinen Beobachtungseinrichtungen die auf Basis von Indikatoren über verschiedene Performanzaspekte des Forschungssystems regelmäßig berichten (Monitoring), ohne dass daran irgendwelche unmittelbaren Konsequenzen geknüpft wären (F, CH, NL, USA). Zum Teil entwickelten sich auch Hybridformen, d.h. indikatorengestützte Berichte bilden die Informationsgrundlage für Begutachtungen durch "Peers" (sog. "informed peer review"). Auch die Forschungsinstitutionen selbst haben in diesem Prozess unterschiedlichste Formen der internen Qualitätssicherung entwickelt.
In Deutschland wurde diese internationale Entwicklung spät und zögerlich aufgenommen. Die Gründe hierfür sind nicht nur in der ausgeprägten Dezentralität des deutschen Forschungssystems zu suchen, sondern auch in der Entwicklung der Forschungspolitik. Anders als in den europäischen Nachbarländern folgten den Forderungen nach mehr Wettbewerb und Transparenz in den achtziger Jahren in Deutschland kaum institutionelle Reformen, sondern vor allen Dingen eine Erhöhung des Anteils antragsgebundener Drittmittelforschung. Seit etwa 20 Jahren ist die verstärkte Wettbewerbsorientierung in der deutschen Forschungslandschaft an der beständigen Auseinanderentwicklung von Grundausstattung und Drittmitteleinwerbungen zu erkennen (Hornbostel 1997). Noch in den 90er Jahren wuchsen die Grundmittel real um 1,3 % Prozent pro Jahr, die Drittmitteleinnahmen der Hochschulen hingegen um real 4,2% (Wissenschaftsrat 2000). Dies ist ein Grund dafür, warum die Forschungsförderung der DFG selbst bereits heute relativ umstandslos unter "Forschungsevaluation" subsumiert wird (vgl. Friedrich 2001).
In Deutschland wurden die kompetitiven Elemente im Forschungssystem also zweifellos verstärkt, jedoch weder die dazugehörige Leistungstransparenz hergestellt noch die Steuerungsfähigkeit der Hochschulen erhöht (Hornbostel 2001). Diese Entwicklung hat unübersehbare Folgen. Sie stellt - im Verein mit knapper werdenden Mitteln, einem verstärkten internationalen Konkurrenzdruck und erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit - sowohl die hochschulische und außerhochschulische Forschung wie auch die Drittmittelgeber vor eine Reihe von Anforderungen:

  • für die Hochschulen bedeutet dies einerseits eine verstärkte Konkurrenz um Drittmittel, andererseits erhöhte Anforderungen an die internen Steuerungsprozesse.
  • für die Drittmittelgeber - insbesondere für die DFG, die mit rund 35% des gesamten Drittmittelvolumens der wichtigste Akteur ist (vgl. Statistisches Bundesamt 2003) - hat diese Entwicklung nicht nur erheblich steigenden Bearbeitungsaufwand, sondern auch neue Anforderungen hinsichtlich der Qualitätskontrolle, der internen Verfahren, der öffentlichen Rechenschaftslegung und nicht zuletzt Fragen nach den Wirkungen der Förderung zur Folge.
  • für die Forschungspolitik - aber auch für die Öffentlichkeit - führt diese Entwicklung zu einem steigenden Informationsbedarf über die Leistungsfähigkeit (Stärken und Schwächen in der Forschung) der einzelnen Institutionen.

Begegnet wird diesem Bedarf bisher insbesondere durch den Wissenschaftsrat, etwa in Form von Forschungsevaluationen außeruniversitärer Einrichtungen oder als Querschnittsevaluationen ganzer Forschungsbereiche . Charakteristisch für diese Evaluationen ist eine anlassbezogene, punktuelle Bestandsaufnahme. In der jüngsten Vergangenheit haben sich auf der Länderebene ergänzend erste Initiativen in Richtung einer dauerhaften Evaluation entwickelt (vgl. Wissenschaftliche Kommission des Landes Niedersachsen, Evaluationsagentur Baden-Württemberg ). Zu den Ansätzen einer dauerhaften Berichterstattung gehören auch die Lehr- und Forschungsrankings, etwa das sog. "Förder-Ranking" der DFG oder der ührer von Stern / Centrum für Hochschulentwicklung (CHE).
Wie dringlich der Bedarf an belastbaren Informationen ist, wird nicht zuletzt an einer Initiative von Bund und Ländern deutlich, die im Juli 2003 zur Einsetzung einer Arbeitsgruppe im Wissenschaftsrat führte, die sich mit Zielen und Adressaten, Methodik und Realisierung von Rankings befasst. Dabei ist bereits erkennbar, dass es nicht einfach um die Zusammenstellung von Datenkollektionen geht, vielmehr fehlt es darüber hinaus an einer reflektierten Methodenentwicklung, die auch die Validität der eingesetzten Instrumente sicherstellt.


Obwohl sich also erste Entwicklungen einer dauerhaften, auf Indikatoren gestützten Berichterstattung abzeichnen, sind insgesamt in Deutschland Informationen über den Output des Forschungssystems, die Forschungsintensität und -qualität der einzelnen Hochschulen und Angaben über die eingesetzten finanziellen und personellen Ressourcen auf systematischer und umfassender Basis nicht oder nur sehr schwer zu erhalten. So beklagt denn auch der Wissenschaftsrat in einer Analyse zur Entwicklung der Drittmittelforschung an deutschen Hochschulen "statistische Lücken" die zur Folge haben, "dass Informationen, die für eine weiterführende Zurverfügungstellung von Strukturinformationen notwendig sind, zumeist nur schwer oder gar nicht erhält lich sind" (vgl. Wissenschaftsrat 2000: 76-93).
Eine kontinuierliche Berichterstattung über die Leistungen und die Effizienz des deutschen Forschungssystems findet nicht statt. Entsprechend fehlen alle Mechanismen einer Qualitätssicherung, die sich auf Vergleichsdaten stützen könnte. Ein wirkliches Kompetenzzentrum für derartige Aufgaben ist im akademischen Bereich nicht auszumachen. Vielmehr finden sich verschiedene universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen und temporär existierende Forschungsschwerpunkte, die aus historischen Gründen bestimmte Arbeitsschwerpunkte entwickelt haben (vgl. Kuhlmann 2002). Während in den USA, Großbritannien und den Niederlanden klassische Verfahren des "Peer Review" schon seit längerer Zeit mit quantitativen Methoden und Daten kombiniert werden (sog. "Hybrid-Verfahren", vgl. Schreiterer 2000), spielen objektivierbare Daten in Deutschland eine eher untergeordnete Rolle (vgl. Scharnhorst/Leydesdorff 2002).
Die jüngsten Entwicklungen auf Länderebene sind in diesem Zusammenhang sicherlich begrüßenswert, sie lösen allerdings nicht das von der internationalen Expertenkommission angesprochene Problem: Bei den Evaluationen der Länder geht es in erster Linie um standortbezogene Fragen, weniger um Fragen des gesamten Forschungssystems. Darüber hinaus bleiben Desiderata, die durch eine Ausdehnung sowohl der ad hoc Evaluationen (etwa des Wissenschaftsrats) wie auch der institutionell gesicherten Forschungsevaluationen auf Länderebene nicht gelöst werden:
  • die meist durch Peer-Review gestützten Verfahren sind derartig aufwändig, dass sie nur in größeren zeitlichen Abständen oder aus besonderem Anlass eingesetzt werden können. Ein bundesweites regelmäßiges Monitoring der Forschungsleistungen mittels Peer-Review würde die ohnehin durch anderweitig steigenden Begutachtungsaufwand belasteten potentiellen Gutachter bis an die Grenzen strapazieren (was sich schon heute in Warnungen vor einer um sich greifenden "Evaluitis" niederschlägt (vgl. Daniel 2001: 15)).
  • duch in Peer-Review-gestützten Evaluationsverfahren geht man heute fast selbstverständlich von sog. "Informed Peers" aus, d.h. auch diese Gutachter selbst benötigen zur Vorbereitung ihrer Aufgaben eine qualitativ und quantitativ vergleichende Datenbasis.
  • die Verbreitung solcher Verfahren des "Informed Peer-Review" stellt an die Drittmittelgeber neue Anforderungen hinsichtlich der Aufbereitung ihrer Daten, da Förderentscheidungen selbst häufig als Indikator für Forschungsqualität herangezogen werden.

Mehrfacherhebungen, uneinheitliche Indikatoren, abweichende Definitionen etc. haben für vielfältige Irritationen gesorgt. Die Fülle, Heterogenität und sehr unterschiedliche Dignität von kennzahlbasierten Verfahren führt - vor allem dann, wenn diese von einzelnen Universitäten und Bundesländern für Zwecke der Mittelverteilung genutzt werden - zu oft berechtigter Kritik an der mangelnden Transparenz oder gar Tragfähigkeit der zum Einsatz gebrachten, oft sehr laienhaft genutzten Messverfahren.

2.2 Die Ausgangssituation der DFG

Neben diesen wesentlich auf das gesamte Forschungssystem bezogenen Überlegungen, stellen sich auch für die Drittmittelgeber - insbesondere die DFG - neue Herausforderungen, die mit den oben genannten Entwicklungen deshalb eng zusammenhängen, weil die Förderung der DFG strukturierend in das Wissenschaftsssystem hineinwirkt. Die DFG ist die größte Fördereinrichtung für universitäre Forschung in Deutschland (vgl. Statistisches Bundesamt 2003). Die zunehmende Förderung außeruniversitärer Forschung kommt hinzu. In den Empfehlungen der Systemevaluation führte diese herausragende Stellung zu Anregungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der DFG. An die drei wichtigsten Aspekte sei hier noch einmal erinnert:

Strategische Planung und Ausrichtung des Förderangebotes

Die Kommission hält es für wünschenswert, dass die DFG ihre strukturbildende und wettbewerbsfördernde Funktion im Hochschulbereich noch stärker als bisher annimmt und ausgestaltet. Dies kann etwa im Rahmen von anreizsetzenden Zielvorgaben für einzelne Förderaktivitäten, durch die gezielte, nicht nur responsiv angelegte Förderung von Schwerpunkten und durch die Ausschreibung von Exzellenzprogrammen geschehen. Die DFG muss neue Mittel und Wege finden, um über Grundzüge und Instrumente einer aktiv gestaltenden Förderpolitik und ihrer Programmentwicklung eigenverantwortlich entscheiden zu können (vgl. Internationale Kommission 1999: 28).

Diese Orientierung wird von der DFG grundsätzlich geteilt. Allerdings setzt die Bewältigung eine derartigen Aufgabe voraus, dass erstens Klarheit über die Wirkungen der DFG-Förderung besteht und zweitens Wissen über Desiderata bzw. fachliche Entwicklungen systematisch entwickelt wird. In der Stellungnahme der DFG zum Evaluationsbericht heißt es daher auch:

"Strategische" Programme zur Unterstützung neuer Arbeitsgebiete und zur langfristigen Sicherung der Konkurrenzfähigkeit von Institutionen müssen auf zuverlässige, belastbare Analysen langfristiger Entwicklungstrends aufbauen, die geeignet sind, die Universitäten zur Entwicklung bis hin zur
Neuausrichtung ihres wissenschaftlichen Profils zu motivieren (vgl. DFG 1999: 8).


Eine weitere von der Kommission vorgetragene Empfehlung bezieht sich auf den mittelbaren Bedarf an DFG-internen Mechanismen der Qualitätssicherung:

Qualitätssicherung nach innen

Eine aktive Programmpflege verlangt nach angemessenen Verfahren für ein kontinuierliches Monitoring der Programmentwicklung sowie der Wirkungen des Förderhandelns. Ein solches durch die DFG selbst voranzutreibendes System der Qualitätssicherung bildet ein notwendiges Komplement für die von der Kommission empfohlene Weiterentwicklung der DFG zu einer aktiven, strategisch handelnden Einrichtung der Forschungsförderung. Deshalb sollte sie ihre Programme im Hinblick aufdie damit angestrebten Ziele und die tatsächlich eingetretenen Wirkungen unter Beteiligung externer Sachverständiger regelmäßig evaluieren und die Befunde dokumentieren [...]. Die DFG nutzt bislang kaum eigene Möglichkeiten, ihr Programm-Portfolio zu überprüfen und ggf. neu zu ordnen sowie eine kontinuierliche Programmpflege zu betreiben, die sich auch auf die Schließung erkennbarer Lücken in der deutschen Forschung beziehen könnte (Internationale Kommission 1999: 25)

Auch in diesem Punkt herrscht kein Dissens:
Die DFG stimmt mit der Kommission darin überein, dass die gewünschte Verstärkung eigener Aktivitäten, die strukturelle Verbesserungen im Forschungssystem anstoßen und unterstützen, auch eine Verbesserung des Instrumentariums zur Vorbereitung der Entscheidungen über neue Maßnahmen voraussetzt. Die DFG verfügt [...] über eine breite und zuverlässige Wissensbasis. Diese kann durch Analysen und Bewertungen der Förderprogramme noch verbessert werden. Die DFG möchte die Empfehlungen der Kommission zum Anlass nehmen,

  • ihre Wissensbasis möglichst noch zu verbreitern, vor allem hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen in anderen Ländern,
  • das vorhandene, aber nicht immer ohne weiteres verfügbare Wissen besser zu erschließen, auch unter Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken,
  • die Nutzung des Wissens zur Vorbereitung von Entscheidungen zur Aufgabenplanung im Sinne einer regelmäßigen Defizitanalyse zu systematisieren. Die DFG will deshalb auch die vorhandenen Ansätze der Programmanalyse und -bewertung [...] weiter ausbauen und die Bewertung der Ergebnisse größerer Programme und Fördermaßnahmen systematisch vorantreiben (DFG 1999: 13).

Die letzte hier zu thematisierende Empfehlung der Expertenkommission bezieht sich schließlich auf den Aspekt der Rechenschaftslegung und Öffentlichkeitsarbeit:

Information und Transparenz

Durch die kontinuierliche Veröffentlichung ihrer Förderdaten kann und soll die DFG den Wettbewerb der Universitäten in der Forschung noch stärker stimulieren (vgl. Internationale Kommission 1999: 34).

Hier ist die DFG bereits seit längerem in Form des sogenannten "DFG-Rankings" aktiv. Mit dieser Publikation hat die DFG in bisher drei Folgen (vgl. DFG 1997, 2000, 2003, Güdler 2001) über DFG-Drittmitteleinwerbungen deutscher Hochschulen und universitätsnaher Forschungseinrichtungen in nach Fachgebieten differenzierter Form informiert 2. Wenig beleuchtet ist hingegen bisher die Wirkung der DFG-Förderung sowie der Erfolg der Förderung im Sinne der Erreichung selbstgesetzter Ziele der DFG. Diese Fragen sind aus den Antrags- und Bewilligungsdaten nicht zu erschließen, werden in Zukunft aber erheblich an Gewicht gewinnen.

2.3 Zwischenfazit

Die skizzierten Befunde lassen sich in folgenden Punkten resümieren:
  • in der Bundesrepublik Deutschland fehlt eine Einrichtung, die Kompetenz und infrastrukturelle Voraussetzungen für eine dauerhafte und regelmäßige Beobachtung des Forschungssystems bereitstellt.
  • die Entwicklung und Prüfung geeigneter Verfahren für ein Forschungsmonitoring findet bisher anlassbezogen und unsystematisch statt. Ebenso fehlt es an regelmäßig gepflegten, öffentlich zugänglichen Datenbeständen, wie sie für Informations- oder Evaluationszwecke benötigt werden.
  • Die Aufbereitung der prozessförmig (insbesondere im Drittmittelbewilligungsverfahren) erzeugten Informationen zur Forschungsaktivität in Deutschland werden bisher kaum für eine outputorientierte Analyse und Berichterstattung genutzt.
  • Innerhalb der DFG ist ein Ausbau der Qualitätssicherungsverfahren dringend nötig. Dazu müssen zunächst Verfahren entwickelt werden, die eine Nutzung routinemäßig erzeugter Daten für derartige Zwecke erlauben. Aufgrund des hohen Stellenwertes der DFG-Förderung im deutschen Forschungssystem wird es zukünftig aber auch notwendig sein, issen zu generieren, das über die bisher im Arbeitsprozess generierten Informationen hinausgeht.
  • Das in der DFG akkumulierte Wissen ist nicht nur für interne Steuerungsprozesse relevant, sondern auch für Stimulierung von Profilierungen und Schwerpunktbildungen im Hochschulsystem, sowie für die Information sowohl spezialisierter Fachöffentlichkeiten als auch einer breiteren Laienöffentlichkeit.
  • Die DFG verfügt bereits heute über ein gut ausgebautes, elektronifiziertes und somit der Analyse zugängliches Basiswissen über ihr Förder handeln. Dieses Förderhandeln deckt einen relevant großen Teil der mit Drittmitteln finanzierten Hochschulforschung ab. Indem die DFG dieses Wissen zunächst ausbaut und später nutzt, um Transparenz und Plannungswissen bezogen auf ihre eigenen Aktivitäten zu gewinnen, schafft sie die Grundlagen für ein DFG-übergreifend zu entwickelndes Informationsangebot.


Mit der Hilfseinrichtung IFQ würde eine Institution geschaffen, die sowohl die interne Steuerung der größten Selbstverwaltungsagentur der deutschen Forschung unterstützen als auch deren bereits heute gut ausgebauten Informationspool als "Startkapital" für übergreifende Zwecke nutzen kann. Diese doppelte Bindung schafft erst die notwendigen Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Generierung faktenbasierten Wissens für forschungsinformative und evaluativ-qualitätssichernde Zwecke.

2.4 DFG-spezifischer Bedarf und übergreifende Perspektive
2.4.1 Voraussetzungen

 
Die bisherigen Ausführungen haben deutlich gemacht, dass Qualitätssicherungsaufgaben in der DFG nicht mit klassischen Controlling- oder Evaluationsverfahren gelöst werden können. Vielmehr treffen hier die auf das eigene Förderhandeln bezogene Wirkungskontrolle und ein prospektiv orientiertes Forschungsmonitoring als Grundlage für strategische Entscheidungen zusammen. Beide Aufgaben sind untrennbar miteinander verzahnt.

Die Verbindung von interner Qualitätskontrolle und darüber hinausgehenden Aufgaben eines Forschungsmonitorings ergeben sich aus der eingangs dargelegten besonderen Situation der DFG. Ziel ist es, sowohl bereits vorhandenes DFG-internes Wissen und aufbereitete Informationen zu nutzen, als auch Informationen zu generieren, die als Hintergrund für Wirkungskontrollen bzw. als Informationsgrundlage für strategische Entscheidungen dienen können. Zugleich lässt sich in diesem Rahmen ein ohnehin notwendiges Informationssystem aufbauen, das im Laufe der Zeit modular um externe Informationen ergänzt und als öffentlich zugängliche Quelle für Informationen zu Akteuren und Aktivitäten der deutschen Forschung bereit gestellt werden kann. Aufbauend auf bereits bestehenden Informationsbeständen soll so lang fristig ein Informationspool entstehen, der die DFG selbst bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützt und ebenso externen Zielgruppen dient.

Die enge Verzahnung der Aufgaben und die besonderen Möglichkeiten, die sich aus der Mehrfachnutzung eines gemeinsamen Datenbestandes ergeben, legen es nahe, die skizzierten Aufgaben in einer Institution zu bündeln. Anknüpfungspunkte bietet am ehesten das US-amerikanische Modell: In den USA werden aufgrund der höheren Marktförmigkeit des Hochschulsystems Monitoring- und Evaluationsdienstleistungen durch viele verschiedene Akteure angeboten. Eine herausragende Stellung für die Beobachtung des gesamten nationalen Forschungssystems nimmt dort die National Science Foundation (NSF) ein. Eine eigenständige Abteilung, die "Division of Science Resources Studies (SRS)" übernimmt die (gesetzlich übertragene) Funktion einer Clearingstelle für die Erhebung, Sammlung, Auswertung und Interpretationvon forschungs- und technologiebezogenen Daten, inklusive eigenständiger Primärerhebungen (z.B. Surveys zu Themen wie Frauen, Minderheiten, Nachwuchs etc.). Bei der SRS geht es vor allen Dingen um die Bereitstellung von Daten und Analysen für staatliche und politische Entscheidungsprozesse. Kernstück ihrer Arbeit ist der outputorientierte regelmäßig erscheinende Bericht "Science and Engineering Indicators" (vgl. NSF 2002), der hinsichtlich seiner Informationsbreite und -tiefe weltweit Maßstäbe setzt (vgl. Kuhlmann 2002: 22). Aufgrund enger Kooperationen mit einerVielzahl staatlicher Einrichtungen, aber auch mit Forschungsinstituten, betreibt die SRS auch eigenständige Fortentwicklungen der Berichts- und Evaluationsmethoden. Bei diesen Kooperationsbeziehungen handelt es sich sehr bewußt um Beziehungen, die sich um einen institutionellen Kern entwickeln und nicht um eine Interessenkoordination im Rahmen einer korporativen Einrichtung der beteiligten Akteure.

Ein IFQ, das - anders als im NSF/SRS-Modell - nicht innerhalb der Fördereinrichtung, sondern als von der DFG (und ihren Partnern) getragenes, wissenschaftliches Institut agieren soll, vereint verschiedene Vorteile: Die DFG fokussiert auf das gesamte nationale Forschungssystem und seine internationale Einbettung, sie verfügt über einen ganz wesentlichen Teil qualitativ und quantitativ relevanter Informationen zur Performanz des Forschungssystems, sie ist angesichts der Forderungen nach strategischer Planung und Wirkungskontrolle in der Pflicht, ihre Informationsbasis zu verbessern, sie ist institutionell so eingebettet, dass Kooperationsbezüge leicht ent wickelt werden können, und sie besitzt einen infrastrukturellen Nukleus, der erweitert werden kann. Aufbauend auf diesem Fundament soll mit dem IFQ eine Einrichtung zur Forschungsinformation und Qualitätssicherung geschaffen werden, die nicht als zentrale Evaluationsagentur figuriert, sondern in einem ersten Schritt in wissenschaftlich fundierter Form Qualitätssicherungsaufgaben im Auftrag der DFG betreibt und dabei in der Verbindung von evaluativen und informativen Elementen die Grundlagen für ein Monitoringsystem aufbaut, das auch Dritten zugänglich ist. Die Grundphilosophie besteht darin, nicht ein Maximalprogramm zu formulieren, sondern um einen funktionsfähigen institutionellen Kern herum eine Einrichtung aufzubauen, die es mittelfristig ermöglicht, über den engeren DFG Bezug hinaus an den internationalen Standard der Information über nationale Forschungsleistungen anzuschließen. Indem dabei von Beginn an die Informationsinteressen weiterer forschungspolitischer Akteure mit berücksichtigt werden, entsteht in der Entwicklungsperspektive eine Agentur, die verschiedenste Nutzerinteressen in je spezifischer Form bedienen kann. In der Ausbaustufe sollte das IFQ daher auch Auftragsarbeiten übernehmen und damit einen Teil der finanziellen Aufwendungen bestreiten können.

2.4.2 DFG-spezifischer Bedarf

In der Gründungsphase (2004/2005) werden sich die Arbeiten des IFQ vor allem auf die Entwicklung fachlicher Feinkonzepte konzentrieren. Zunächst ausgerichtet auf die Förderprogramme der DFG sind solche Konzepte zu entwickeln, die eine wissenschaftlich fundierte Bearbeitung forschungsinformativer und programmevaluativer Fragestellungen erlauben. Neben theoretischen Vorarbeiten sind hierbei auch erste Grundzüge eines methodischen Instrumentariums zu definieren und schließlich auch die technischen Rahmenbedingungen zu klären, die für eine effiziente Erhebung, Erfassung und Analyse des sehr komplexen Datenmaterials benötigt werden. Eine "State-of-the-art"-Betrachtung nationaler und internationaler Aktivitäten auf dem Gebiet soll dazu beitragen, bereits früh Fragen der Anschlussfähigkeit bzw. Standardentwicklung vor allem im Bereich der Kennzahlenentwicklung sicher zu stellen.

Ausgehend von diesen Vorarbeiten sind in der sog. "Aufbauphase" (2005 bis 2007) vor allem jene Aktivitäten auszubauen, die eine programmübergreifende, outputorientierte Wirkungsanalyse DFG-geförderter Forschung erlauben. Die Entwicklungderartiger Analysen wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, da hier Instrumentarien zu entwickeln sind, die den jeweiligen Programmen, vor allem aber den je besonderen Situationen der verschiedenen Fachgebiete angemessen sind.
Dabei sind auch Vorschläge für eine Neuorganisation DFG-interner Abläufe zu entwickeln, etwa bezogen auf das allgemeine Berichtswesen, das - am Beispiel von Abschlußberichten DFG-geförderter Vorhaben - hinsichtlich der evaluativen Verwertbarkeit dort nachzuweisender Informationen völlig neuen Herausforderungen ausgesetzt ist. Der Aufbau eines entsprechenden Informationssystems ist damit nicht nur technisch, sondern vor allem organisatorisch anspruchsvoll.

Auch hier liegt der Fokus auf einer Mehrfachnutzung zu erhebender Daten. So könnten im Zuge der ohnehin notwendigen Erhebung von Daten, die Auskunft über den Verlauf und die Erfolge DFG-geförderter Projekte geben, auch die Abschlußberichte zu diesen Projekten selbst einer öffentlichen Nutzung zugänglich gemacht werden. Recherchierbar wären diese in Weiterentwicklung des DFG-Projektinformationssystems GEPRIS dann etwa über eine zweisprachige (deutsch/englisch) Abstract-Datenbank, die beispielsweise die Suche mit Hilfe von Förderkennzeichen, Stichworten oder Autorennamen erlaubt. Mit der Zeit würde so ein Wissensbestand aufgebaut, der im Wirkbetrieb jährlich um mehrere tausend Abschlußberichte anwüchse (vergleichbar dem DSpace-Projekt des amerikanischen MIT (www.dspace.org))3. Mit diesem Angebot wäre die DFG dann auch inhaltlich über die Ergebnisse und Erfolge der von ihr geförderten Projekte und Programme auskunftsfähig - gegenüber ihren Gremien, aber auch gegenüber der an Forschung und Forschungsförderung interessierten Öffentlichkeit.

Neben der Erschließung von Informationen, die Antragsteller direkt zu DFG-geförderten Projekten zur Verfügung stellen, läge ein weiterer Schwerpunkt in der Erhebung zusätzlicher Daten bzw. in der Erschließung weiterer Quellen. Vor allem hier kommt die wissenschaftssoziologische Expertise zum Tragen, die am IFQ aufzubauen ist: Zu nennen sind Verbleibsstudien, die Auskunft über die weiteren Karrierewege DFG-geförderter Stipendiaten bzw. von wissenschaftlichen Mitarbeitern aus DFG-geförderter Projekten geben (und somit beispielsweise auch konkrete Daten zum oft beklagten, aber bisher kaum quantifizierten "brain drain" deutscher Wissenschaftler). Durchzuführen wären weiterhin Auswertungen von Publikations-, Zitations- und Patentdatenbanken, die - für ausgewählte Gebiete - Informationen zur Performanz sowie der Rezeption DFG-geförderter Forschung liefern könnten. Die Palette der je Untersuchungsfeld relevanten Informationen wäre - wie ein im Auftrag der DFG erstelltes Gutachten zum Stand der Forschung im Bereich Forschungsevaluation betont - in enger Zusammenarbeit mit Fachvertretern zu entwickeln (vgl. Hornbostel 2000)4. Im wissenschaftlichen Austausch mit nationalen und internationalen Experten wäre dieses Know-how ständig zu erweitern.

Auf Basis der so entwickelten Methoden und Instrumente und der damit gewonnenen Daten soll es schließlich möglich sein, wissenschaftlich begründete und empirisch gestützte Aussagen zum Erfolg und zu den spezifischen Leistungen DFG-geförderter Forschung in je speziellen Programmen (Sonderforschungsbereiche, Normalverfahren, Schwerpunktverfahren etc.) und Gefördertengruppen (Geförderte eines Fachgebiets, einer Region oder einer Institution etc.) zu treffen. Aussagen zur nationalen und internationalen "Vernetzung" DFG-geförderter Forschung (vgl. DFG 2003, Güdler 2003) wären ebenso zu treffen wie zu deren Interdisziplinarität, zu aus Projekten resultierenden Produkten (Publikationen, Anwendungen, Patenten), Qualifizierungen(Diplomarbeiten, Promotionen) und schließlich zu ihren strukturellen Wirkungen (vor allem bei koordinierten Programmen). Hierbei handelt es sich ausdrücklich nicht um irgendeine Form des Re-Reviewing sondern um eine neue Form der Strukturbetrachtung, d.h. Programmbereiche, Förderverfahren oder thematische Bereiche und nicht das im Einzelnen bereits beurteilte Projekt wären Gegenstand der Analyse.

Mittelfristiges Ziel dieser Bemühungen ist die Unterstützung eines Berichtswesens, das - ganz im Sinne des "Strategic Plans" der amerikanischen National Science Foundation (vgl. NSF 2000) - schrittweise aufgebaut über die wichtigsten Förderziele der DFG und deren Zielerreichungsgrad informiert und so als Planungs- und Re chenschaftsinstrument der DFG zu nutzen ist.

2.4.3 DFG-übergreifende Perspektive

In der sog. "Betriebsphase" (ab 2007) wären schließlich auf der Grundlage der bis dahin gemachten Erfahrungen sowie unter Nutzung von weiter auszubauenden und zu entwickelnden Datenbeständen, Methoden und Instrumenten die Informationsinteressen weiterer Förderer, Forschungsorganisationen bzw. forschungspolitischer Ak teure zu bedienen. Zu nennen ist hier vor allem der Wissenschaftsrat, der mit dem IFQ auf einen Dienstleister zugreifen könnte, der diesen nicht nur (bereits in Phase II) bei seinen Bemühungen um die Bewertung der von der DFG angebotenen Programme mit Daten und Analysen unterstützt, sondern auch einen empirischen und methodisch beratenden Beitrag für die in Zukunft verstärkt wahrzunehmenden Querschnittsevaluationen (etwa von Fächern) leistet.
Gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern lassen sich schließlich Dienstleistungen entwickeln, die DFG-übergreifende Aussagen zu den "Centers ofExcellence" der Forschung in Deutschland erlauben. In dieser Phase wäre auch der Aufbau eines europaweit vergleichenden "Benchmarking"-Systems, das Aussagen zu den Forschungsprofilen der in verschiedenen Fachgebieten "führenden" Einrichtungen erlaubt, voran zu treiben: Indem das IFQ bereits im Vorfeld Absprachen mit international vergleichbaren Einrichtungen hinsichtlich der Methodik sowie der Kompatibilität von Daten führt, wäre es erstmals möglich, die zunehmend und in den verschiedensten Kontexten geführte Diskussion um Existenz und Profil von "Leuchttürmen", "Elite-Universitäten" und "Forschungsclustern" auf ein empirisches Fundament zu stellen.

In der dritten Phase könnte sich das IFQ damit zu einem deutschen Kompetenzzentrum für Forschungsinformation, Monitoring und Evaluation entwickeln. Der bis dahin aufgebaute Indikatorenapparat wäre systematisch zu erweitern und sowohl mit Zielgruppen außerhalb der DFG abzustimmen wie von diesen zu nutzen. Ein Kooperationsnetzwerk einschlägig aktiver Institutionen, dessen Grundlagen bereits in der Aufbauphase zu schaffen wären, könnte dann dazu beitragen, auf der Basis gemeinsam entwickelter Standards Mehrfacherhebungen zu vermeiden und andererseits ein breites, in sich homogenes Informationsangebot zu offerieren.

Das Aufgabenprofil vor allem der dritten Phase kann und soll zum jetzigen Zeitpunkt nicht im Detail dargestellt werden. Es ist Teil des hier vorgestellten Konzepts, dass eine Konkretisierung der Aufgaben des IFQ im "Normalbetrieb" abhängig ist von den bis dahin erreichten Zielen, den als praktikabel eingeschätzten Vorgehensweisenund den Informationsanforderungen, die dann auch von Dritten an das IFQ herangetragen werden.

3 Organisatorisches Profil und Ausstattung
3.1 Organisationsform

Das dauerhafte Aufgabenspektrum des IFQ, so wie es vorangehend entwickelt wurde, lässt sich wegen der Komplexität des zu beobachtenden Feldes und des hierfür erforderlichen anspruchvollen methodischen Know-hows nur im Rahmen einer wissenschaftlichen Einrichtung bedienen. Eine wissenschaftliche Einrichtung, die die beschrieben Aufgaben direkt übernehmen könnte, existiert in Deutschland bisher nicht (vgl. Kuhlmann 2002). Notwendig ist daher ein Neuaufbau. Um gleichermaßen den wissenschaftlichen Austausch sowie den Charakter einer auch auftragsgebundenen Einrichtung zu wahren, empfiehlt sich die Konstruktion einer DFG-Hilfseinrichtung, die als An-Institut einer Hochschule oder hochschulnahen Forschungseinrichtung anzugliedern wäre. Auf diese Weise wären zum einen die organisatorischen Voraussetzungen für eine serviceorientierte Ausrichtung des Instituts gegeben; zum anderen wäre so auch organisatorisch eine wichtige Rahmenbedingung für die Entwicklung eines ausgeprägt wissenschaftlichen Profils gegeben.

3.2 Planerische Vorarbeiten

Der Vorschlag zur Gründung einer entsprechenden Hilfseinrichtung wurde im Jahr 2002 der Bund-Länder-Kommission (BLK) vorgelegt, die nach grundsätzlicher Zustimmung die für diese Einrichtung erforderlichen Mittel im Haushalt der DFG mit Sperrvermerk zugesichert hat. Der Sperrvermerk war mit der Auflage versehen, mit Wissenschaftsrat und Kultusministerkonferenz (KMK) eine Abstimmung über den Bedarf an einer entsprechenden Einrichtung abzuklären.

Diese Abklärung erfolgte zunächst mit Vertretern des Wissenschaftsrats und in einem zweiten Schritt im Rahmen eines Experten-Hearings, das auf Einladung der KMK am 15. Juli 2003 in Bonn stattfand. Neben Landesvertretern und Repräsentanten großer Förder- und Forschungsorganisationen nahmen an dieser Veranstaltung Rolf Lehming, Direktor der Abteilung für Science & Engineering Indicators, Division of Science Resources Statistics (SRS) der amerikanischen National Science Foundation (NSF), Prof. Jürgen Krause, Direktor des Informationszentrums Sozialwissenschaften (GESIS/IZ), Bonn und Dr. Stefan Hornbostel, Universität Jena teil um das durch DFG-Vertreter vorgestellte Einrichtungskonzept des IFQ zu diskutieren.

Die Veranstaltung führte zu der Empfehlung der KMK, die Mittel im Haushalt der DFG zu entsperren, mit dem Vorschlag, in der Gründungs- und Aufbauphase die Arbeiten auf den engeren Bereich DFG-geförderter Forschung zu konzentrieren und nach Ablauf dieser Phase (2007) eine Evaluation der bis dahin erfolgten Aktivitäten zur Bedingung für die weitere Förderung zu machen.

Die BLK fasste darauf folgend am 7. Oktober 2003 einstimmig den entsprechenden Beschluss.

3.3 Trägerschaft

Der Träger des Instituts soll ein eingetragener, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn sein. In der Gründungs- und Aufbauphase tritt dieser als nicht-rechtsfähiger, gleichwohl mit allen relevanten Handlungsvollmachten ausgestatteter Verein auf. An dessen konstituierender Sitzung, die am 1. März 2004 in Bonn stattfand, waren Vertreter der folgenden Einrichtungen beteiligt:

  • Humboldt-Universität Berlin
  • Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin (WZB)
  • Universität Bonn
  • Universität Mannheim
  • Deutsche Forschungsgemeinschaft

Diese Organisationen bilden zum aktuellen Zeitpunkt die Mitglieder des Vereins. Satzung, Teilnehmerliste und Protokoll der Gründungsversammlung sind diesem Antrag als Anlage beigefügt.

3.4 Struktur

Das Institut soll seinen Sitz zunächst in Bonn haben, um in der Gründungs- und Aufbauphase eine enge Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle der DFG zu befördern.
Die Mitgliederversammlung des Vereins legt die Richtlinien für die Tätigkeit des Instituts fest. Sie bestimmt die Aufgaben des Vereins und die Richtlinien für seine Arbeit und schließlich auch über die Übernahme weiterer Aufgaben und die Aufnahme weiterer Mitglieder.

Die Mitgliederversammlung wählt den Vorstand, dem ein Präsidiumsmitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft angehören muss. Er beaufsichtigt die Tätigkeit des Instituts.
Der Verein erhält einen Beirat, in den mehrheitlich sachverständige Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland berufen werden sollen, die Erfahrung mit der wissenschaftlichen Bearbeitung von Forschungsinformation und Qualitätssicherung haben und so die Tätigkeit des Instituts beurteilen können. Der Beirat nimmt zur Aufgabenerfüllung des Instituts gegenüber der Mitgliederversammlung des Vereins Stellung. Er kann Empfehlungen zu den wahrzunehmenden Aufgaben und zu den Voraussetzungen für die Aufgabenerfüllung aussprechen.

An der Spitze des IFQ steht schließlich der Geschäftsführer (wissenschaftlicher Direktor). Der wissenschaftliche Direktor wird auf Vorschlag des Vorstands von der Mitgliederversammlung bestellt.

3.5 Ausstattung

Unabdingbar für die Entwicklung des Instituts ist ein Personalstamm, der einerseits die datentechnische Seite und andererseits die Bereiche Datenakquise, statistische Analysen und Datenaufbereitung, Methoden- und Instrumentenentwicklung, Umfragebetreuung und bibliometrische Analysen und Dokumentation bedienen kann. Weiterhin wird ein Minimum an Verwaltungsinfrastruktur benötigt. In der Aufbauphase(bis 2007) ist ein Personalstamm von bis zu 12 Personen anzustreben. Als Zielgrößeeiner Einrichtung, die - wie hier vorgeschlagen - über die DFG hinaus auch andere Auftraggeber bedient, erscheint in den Folgejahren ein Personalstamm von ca. 25 Mitarbeitern als angemessen (zzgl. befristet beschäftigtem Drittmittelpersonal zur Wahrnehmung zeitlich befristeter Projektaufgaben). Die Abschätzung dieser Zielgröße ergibt sich aus dem Vergleich mit erfolgreich arbeitendem Einrichtungen im Ausland: Das "Observatoire des Sciences et des Techniques (OST)", Frankreich beschäftigt allein für den Aufgabenkomplex "Indikatoren-gestützte Forschungsberichterstattung" knapp zwanzig Mitarbeiter. Das Schweizer "Center for Science and Technology Studies (CEST)", hervorgegangen aus dem Schweizer Wissenschaftsrat, umfasst ein Kompetenzzentrum Scientometrie (CCS), Einheiten für Evaluation (EV), Technologie und Innovation (TI), für Prospection (PRO) sowie eine Dokumentationsstelle für Wissenschaftspolitik. Insgesamt sind dort etwa 15 Personen beschäftigt. Das britische Institut für "Science and Technology Policy Research (SPRU)", University of Sussex, England 5 sowie die amerikanische "Division for Science Resource Studies (SRS)" der amerikanischen National Science Foundation (NSF), Washington, verfügen schließlich über einen Personalstamm von jeweils etwa sechzig (überwiegend wissenschaftlichen) Mitarbeitern.

Die folgende Übersicht weist den Personalbedarf in Form kurz skizzierter Aufgabenprofile sowie den Sachbedarf der ersten beiden Förderjahre aus. Detaillierte Angaben zu den hiermit verbundenen Kosten gibt der als Anlage beigefügte Wirtschaftsplan.

Im Jahr der Gründung des Instituts soll zunächst der wissenschaftliche Leiter bestellt werden. Unterstützt durch eine Assistenzkraft sowie einen wissenschaftlichen Mitarbeiter entwickelt dieser das fachliche und organisatorische Feinkonzept des IFQ. In Abstimmung mit der DFG fokussiert er dabei insbesondere auf den Bedarf dieser Fördereinrichtung an programmevaluativen Maßnahmen.
  • Die Leitung des IFQ wäre einer Person zu übertragen, die auf dem Gebiet der empirischen Wissenschaftsforschung über ein ausgewiesenes wissenschaftliches Profil verfügt. Nur so ist eine wirklich professionelle Gestaltung der anstehenden Aufgaben und die Akzeptanz durch für die gemeinsame Klärung von Sachfragen hinzuzuziehenden Partnern gewährleistet. Bekannt ist, dass der Markt für solche Experten in Deutschland (wie weltweit) sehr eng ist. Vor allem die Leiterstelle muss deshalb entsprechend attraktiv gestaltet werden. Vorgeschlagen wird daher, die Leitung in Anlehnung an eine C4/W3-Professur zu dotieren. Mit der Besetzung der Leiterstelle durch einen ausge wiesenen Wissenschaftsforscher würde zum einen ein deutliches Signal hinsichtlich des wissenschaftlichen Anspruchs der in Angriff zu nehmenden Aufgaben gesetzt. Zum anderen würden so bereits in der Aufbauphase die Bedingungen für eine sich in der Betriebsphase (ab 2007) intensivierende Kooperation mit der Hochschule (z.B. in Form eines gemeinsam entwickelten Lehrangebots) geschaffen. Vorgesehen ist, die Leiterstelle des IFQ nach der Anschubfinanzierung aus dem Förderetat der DFG über eine (Stiftungs)-Professur zu finanzieren. Hierzu werden an den am Trägerverein IFQ beteiligten Hochschulen bereits Sondierungsgespräche geführt. Auf diese Art wäre eine feste Verbindung zum wissenschaftlichen Umfeld sowie ein auf Dauer geregelter Austausch mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs auf dem hier verhandelten Gebiet gewährleistet - zum Vorteil des wissenschaftlichen Feldes wie zum Vorteil des IFQ, das von dieser Nähe direkt profitieren könnte.
  • Der das Gründungs- oder auch "Nukleus"-Team unterstützende wissenschaftliche Mitarbeiter trägt vor allem zur Methodenentwicklung bei. Neben einer Bestandsaufnahme einschlägiger Datenquellen plant er die notwendigen Schritte zur Harmonisierung verschiedener Quellen im Sinne einer Standardbildung. Weiterhin konzipiert er in enger Abstimmung mit vergleichbaren Einrichtungen im In- und Ausland den Aufbau neuer Informationssysteme.
  • Die Assistenzkraft ist im Umgang mit modernen Werkzeugen der Bürokommunikation vertraut und unterstützt die Wissenschaftler bei der Erstellung von
    Präsentationen und Dokumentationen sowie bei der Vorbereitung und Durchführungen von Sitzungen und institutsübergreifenden Arbeitsbesprechungen. Wegen der häufig international geführten Korrespondenz und der internationalen Besetzung entsprechender Arbeitsgruppen sind englische Sprachkenntnisse Voraussetzung.

Die Unterbringung des "Nukleus"-Teams erfolgt zunächst in von der DFG angemieteten Räumen. Die Geschäftsstelle leistet in dieser Phase administrative Unterstützung, etwa bzgl. der Personalrekrutierung und Gehaltsabrechnung sowie bzgl. der Arbeitsplatzausstattung (incl. Informationstechnik).

Im Folgejahr ist der wissenschaftliche Leiter des Instituts zunächst mit der Rekrutierung eines fachlich qualifizierten Personalstamms befasst. Die Besetzung von Stellen soll zum einen mit jungen Nachwuchswissenschaftlern erfolgen, die über erste Erfahrungen in den zur Diskussion stehenden Gebieten verfügen. Zum anderen soll versucht werden, erfahrene Wissenschaftler für eine Mitarbeit zu gewinnen - etwa in Form von befristeten Delegationen aus Einrichtungen, die verwandte Fragestellungen bearbeiten. Der Wert solcher Delegationen ist zum einen im Erfahrungsschatz der so auf Zeit gewonnenen Mitarbeiter zu sehen. Zum anderen leisten diese Delegationen einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung auf dem Gebiet aktiver Einrichtungen.

Ausgehend vom durch das Gründungsteam entwickelten Rahmenplan entwickeln die so rekrutierten Mitarbeiter beispielhaft die folgenden Leistungen:
  • Ein wiss. Mitarbeiter für Datenakquise und -aufbereitung prüft verschiedene bereits von anderen Anbietern produzierte Datenquellen (etwa Publikations- und Zitationsdatenbanken, Datenbanken großer Förderer etc.) auf ihre Eignung für forschungsinformative und -evaluative Zwecke und entwickelt Konzepte zur je spezifischen Aufbereitung dieser Daten. Gemeinsam mit dem bereits in der Gründungsphase rekrutierten Experten für Methodenfragen trägter weiterhin zum Aufbau neuer Quellen bei. Er leistet schließlich auch einen Beitrag zur nationalen und internationalen Standardbildung, indem er in intensivem Kontakt mit Anbietern und Nachfragern entsprechender Daten einenKatalog von eine gemeinsame Nutzung gewährleistenden Regeln entwickelt.
  • Ein wiss. Mitarbeiter für statistische Analyse ist im Schwerpunkt mit der statistischen Auswertung verschiedener Informationssysteme befasst. Nebentraditionell etablierten Verfahren nutzt er dabei auch vielversprechende neue Ansätze der Analyse und graphischen Aufbereitung von Daten (etwa Netzwerkanalysen, kartographische Analysen etc.). Zu seinen Aufgaben gehört es weiterhin, wiederum in enger Abstimmung mit Vertretern einschlägig tätiger Einrichtungen, die Entwicklung institutsübergreifender Analysestandards zu befördern. Gerade das Fehlen entsprechender Standards trägt angesichts eines stetig breiter werdenden Nachfragemarktes nach entsprechenden Infomationen (z.B. Volumen eingeworbener Drittmittel) zu einer kaum noch tragbaren Mehrfachbelastung solcher Daten aufbereitender Stellen (etwa an den Hochschulen) bei.
  • Ein Sachbearbeiter für statistische Analysen unterstützt das einschlägig tätige Team bei der Programmierung entsprechender Abfragen sowie bei der Produktion tabellarischer und graphischer Darstellungen. Er verfügt hierzu über ausgewiesene Erfahrungen mit statistischen Analyse- und Grafikprogrammen.
  • Ein wiss. Mitarbeiter für bibliometrische Analysen widmet sich schwerpunktmäßig der Auswertung von Literatur- und Zitationsdatenbanken. Weil die für solche Zwecke standarmäßig herangezogenen Produkte des amerikanischen Institute for Scientific Information (ISI) (z.B. Science Citation Index (SCI), Social Science Citation Index (SSCI) di deutsche (oder besser: die nicht-englischsprachige) Situation in vielen Fächern nur ungenügend Rechnung tragen, prüft er zum einen andere Nachweissysteme (z.B. Projekt-, Publikations- oder Patentdatenbanken) auf ihre Eignung für bibliometrische Zwecke. Langfristig plant und koordiniert er darüber hinaus den Neuaufbau von geeigneten zusätzlichen Quellen. Er konzipiert darüber hinaus entsprechende Studien, die zumindest in der Aufbauphase im Auftragsverfahren an Dritte zu vergeben wären.
  • Ein Sachbearbeiter für Internetpräsentation und Publikation verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit des Instituts. Er konzipiert und administriert die Homepage des Instituts sowie das Erscheinungsbild der verschiedenen Zwecken und Zielgruppen dienenden Informationsmaterialien und Publikationen.
  • Zwei studentische Mitarbeiter unterstützen das bis hier genannte Team bei allen Arbeiten.

  • Ein wiss. Mitarbeiter für Konzeption und Aufbau wissenschaftlicher Datenbanken koordiniert die IT-Leistungen, die zur Erbringung der oben skizzierten Leistungen erforderlich sind. Die hohe Abhängigkeit des Instituts von innovativen IT-Dienstleistungen lässt es angebracht erscheinen, diese eher als Dienstleistungen Dritter am Markt "anzukaufen", als sie im Rahmen einer eigenen großen IT-Abteilung selbst zu erbringen. Der Stelleninhaber ist in diesem Sinne daher auch für die wirtschaftliche Planung und Ausschreibung entsprechender Dienstleistungen sowie für die Kommunikation mit Anbietern und die erfolgreiche Durchführung entsprechender IT-Projekte verantwortlich.
  • Ein Anwendungsprogrammierer unterstützt das wissenschaftliche Team bei der Entwicklung hausinterner Datenhaltungs- und Analysesysteme sowie beider Entwicklung von internetbasierten Erhebungsinstrumenten und Suchformularen.
  • Mit Erreichen einer kritischen Masse von 6 bis 8 Mitarbeitern erfolgt der Aufbau einer eigenen Verwaltungsabteilung unter Leitung einer Verwaltungsfachkraft. Mit dem Aufbau dieser Abteilung endet die administrative Aufbauhilfe der Geschäftsstelle der
  • Die Verwaltungsfachkraft wird unterstützt durch einen Sachbearbeiter.
  • Die sächlichen Verwaltungskosten setzen sich zunächst vor allem aus Kosten für Miete, Mobiliar und Ausstattung zusammen. Kosten entstehen weiterhin mit der Durchführung von Workshops unter nationaler und internationaler Beteiligung sowie durch die Einladung von Gastwissenschaftlern. Einen besonderen Posten bilden weiterhin die Kosten für Öffentlichkeitsarbeit, wiss. Publikationen und Dokumentationen sowie für Recherchen in kostenpflichtigen Datenbanken.
  • Der spezifischen Ausrichtung entsprechend tragen vor allem die Kosten für Informationstechnik zum Etat des Instituts bei. Neben den üblichen Kosten fürdie Ausstattung von Arbeitsplätzen, den Serverbetrieb sowie die Unterhaltungeines Netzwerkes treten Kosten für die überwiegend extern durchzuführende Entwicklung datenbankgestützter Informationssysteme sowie für spezielle Analysesoftware hinzu. Die Betreuung des laufenden Betriebs soll in Form eines Fernwartungsvertrags erfolgen.

In der Summe sind für das Jahr der Gründung (2004) Kosten in Höhe von 195.000 Euro angesetzt. 2005 schlägt mit 1.254.000 Euro zu Buche, etwa je zur Hälfte Personal- und Sachkosten. Eine genaue Aufschlüsselung der Ansätze bietet der als Anlage beigefügte Wirtschaftsplan in Form eines Doppelhaushalts für die Jahre 2004 und 2005.


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Fußnoten

1 Die DFG verfügt seit Beginn der 80er Jahre über eine datenbankgestützte Datenhaltung. Seit Mitte der 90er Jahre werden antrags- und begutachtungsrelevante Daten dezentral durch etwa zweihundert Mitarbeiter jährlich erfasst - vorrangig mit dem Ziel, diese Daten für bearbeitungsrelevante Zwecke zu nutzen (z.B. datenbankgestützte Generierung von Formschreiben). Heute dokumentieren die Daten-banken Informationen zu annähernd 300.000 beantragten und bewilligten Projekten und mehr als 100.000 Antragstellern und Gutachtern der DFG.

2 Mit der letzten Ausgabe (2003) wurde das Berichtsspektrum auf Daten weiterer Förderer ausgeweitet und erlaubt so etwa auch Aussagen zur Attraktivität einzelner Standorte und Fächer für ausländische Gastwissenschaftler, zum insgesamt eingeworbenen Drittmittelvolumen sowie zur Beteiligung am 5. Rahmenprogramm der EU. Bezogen auf die DFG wurde das Spektrum um eine Darstellung der Her kunft von DFG-Gutachtern sowie der Einbindung in Kooperationsnetzwerke in den von der DFG an gebotenen koordinierten Programmen erweitert
(vgl. http://www.dfg.de/dfg_profil/evaluation_statistik/ranking/index.html).

3 Ein enger Bezug besteht auch zu den HRK-Empfehlungen für ein neues Informations- und Publikationssystem, das in diesem Zusammenhang u.a. ein verstärktes Engagement von Forschungsförderern empfiehlt (vgl. HRK-Informationsdienst HRK/51/02-5768) sowie zur Open-Access-Initiative führender deutscher Forschungs- und Förderorganisationen (vgl. http://www.zim.mpg.de/openaccess-berlin/berlin_declaration.pdf ).

4 So spielen etwa Patentanmeldungen in den Ingenieurwissenschaften eine ungleich gewichtigere Rolle als in den Geistes- und Sozialwissenschaften und sind deshalb dort auch eher als "Leistungsziffer" zu interpretieren.

5 Laut Selbstdarstellung "one of the world leaders in policy research on science, technology and innovation (STI) and its wider economic, social and environmental implications".