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GOMED – Governance Hochschulmedizin
Intendierte und nicht intendierte Effekte dezentraler Anreizsysteme am Beispiel der fakultätsinternen leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM) in der Medizin

Ziel des Projektes ist die Untersuchung der Effekte wissenschaftspolitischer Steuerungs- und Regelungssysteme am Beispiel der deutschen Hochschulmedizin. Dabei gilt das Hauptinteresse der leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM) in der deutschen Hochschulmedizin und den in ihr verwendeten Indikatoren. Die Governancestruktur der deutschen Hochschulmedizin stellt ein komplexes Wirkungsgefüge aus unterschiedlichen Steuerungs- und Regelimpulsen dar. Ausgehend von der fakultätsinternen LOM als zentralem wissenschaftspolitischem Element sollen die in der Hochschulmedizin wirksamen Faktoren, die formellen Strukturen und Überschneidungen von Regelbereichen, die Motivationen der in diesen Regelbereichen handelnden Akteure und deren informelle Handlungsstrukturen möglichst vollständig erfasst werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den im Rahmen der LOM verwendeten Forschungsindikatoren (Journal-Impact-Factor, Publikationen, Drittmittel).
Neben der theoretischen Einordnung der empirischen Befunde in die Debatte um "Neue Governance" und der Verortung von LOM-Verfahren in spezifischen Governance-Arrangements auf der Mikro- und Mesoebene soll auch ein praktisch verwertbares Reflexionswissen für die Um- und Neugestaltung von LOM-Systemen gewonnen werden.
Die kausale Zuordnung von Veränderungen im „Outputverhalten“ wissenschaftlicher Institutionen und Forscher zu bestimmten wissenschaftspolitischen Steuerungsmechanismen wie der LOM erfordert ein anspruchsvolles Untersuchungsdesign, insbesondere dann, wenn in einer Govenancestruktur gleichzeitig unterschiedliche und zum Teil konträre Steuerungsimpulse vorliegen. Das Untersuchungsdesign muss daher sicherstellen, dass möglichst alle potenziell relevanten Einflussfaktoren im Feld erfasst werden können. Zu berücksichtigen ist dabei, dass erstens unterschiedliche Instrumente auf verschiedenen Ebenen eingesetzt werden und (intendiert oder nicht-intendiert) auf andere Ebenen ausstrahlen (Universitäten, Fakultäten, Lehrstühle, einzelne Wissenschaftler) und zweitens auf derselben Ebene sich unterschiedliche Anreizstrukturen überlagern (z. B. Klinische Forschung und Krankenversorgung innerhalb der Universitätskliniken). Ferner bedarf es einer angemessenen Operationalisierung der subjektiven Bedeutung dieser Strukturen für die Akteure und ihr Handeln.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist der Einsatz eines breiten Methodenspektrums vorgesehen: Über Dokumentenanalysen werden zunächst die eingesetzten LOM-Verfahren, die rechtlichen Grundlagen, die administrative und technische Abwicklung, die Entwicklung der verteilten Mittel sowie der Implementationsprozess der an den einzelnen medizinischen Fakultäten genutzten LOM-Systeme erfasst. Durch Leitfadeninterviews (n = 40) mit Vertretern unterschiedlicher Leitungsebenen (Fakultäten, Fachbereiche, Kliniken, Hochschulen) sollen die handlungsrelevanten Motivlagen, die subjektiven Wahrnehmungen der jeweiligen Handlungsräume und deren individuelle und institutionelle Ausgestaltung thematisiert werden. Die Leitfadengespräche bilden den empirischen Ausgangspunkt des Projektes und dienen als Basis für die nachfolgenden Methodenlinien. Durch eine standardisierte Onlinebefragung des wissenschaftlichen Personals der medizinischen Fakultäten soll ein möglichst genaues Bild des Einflusses unterschiedlicher Steuerungs- bzw. Regelungsimpulse auf und ihrer Bewertung durch die Forschenden gezeichnet werden. Unter anderem können hier die in den Leitfadeninterviews gewonnenen Ergebnisse auch in ihrer statistischen Relevanz für den gesamten Bereich der Hochschulmedizin untersucht werden. Mit Hilfe bibliometrischer Analysen (in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Bibliometrie) sollen die Veränderungen von Quantität und Resonanz der Publikationsleistungen von Fakultäten und ihren Einrichtungen im Zeitverlauf dargestellt werden. Die Kombination der bibliometrischen Befunde mit den Daten der Online-Befragung und der Leitfadeninterviews verspricht dabei Einblick in das Verhältnis von subjektiven Einschätzungen und messbaren faktischen Verhaltensänderungen.

Kooperationspartner: ZEM (Universität Bonn), WZB Berlin, Prof. Dr. Meuser (TU Dortmund), Dr. Jochen Gläser (TU Berlin), HoF Wittenberg, div. Hochschulen
Projektstart: 4. Mai 2009; Laufzeit: 3 Jahre
Finanzierung:  Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Neue Governance der Wissenschaft - Forschung zum Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft - Teil II
Ausführliche Informationen zu diesem Projekt :
  • Summary zur Auswertung der Experteninterviews
  • Schulz, Patricia / Neufeld, Jörg / Krempkow, René, 2011: Leistungsorientierte Mittelvergabe an Medizinischen Fakultäten in Deutschland – Die Sicht von Fakultätsleitungen. Auswertung der Experteninterviews des Forschungsprojektes GOMED – Governance Hochschulmedizin. Bonn: iFQ Bonn. Online
  • Summary zur Auswertung der Onlinebefragung
  • Krempkow, René / Landrock, Uta / Schulz, Patricia / Neufeld, Jörg, 2011: Die Sicht der Professor/innen auf die Leistungsorientierte Mittelvergabe an Medizinischen Fakultäten in Deutschland. Auswertung der Onlinebefragung des Projektes GOMED – Governance Hochschulmedizin. Berlin: iFQ Berlin. Online

Publikationen

 
 
Krempkow, René / Landrock, Uta, 2011:
Matthäus-Effekte oder Governance-Effekte? Eine Analyse zur leistungsorientierten Mittelvergabe an den Medizinischen Fakultäten Deutschlands. Forschung 3/2011, 105-110.
Krempkow, René, 2011:
Welche Faktoren fördern Forschung? Deutsches Ärzteblatt, 108 (49): A2652-3. Online
Krempkow, René / Landrock, Uta / Schulz, Patricia / Neufeld, Jörg, 2011:
Die Sicht der Professor/innen auf die Leistungsorientierte Mittelvergabe an Medizinischen Fakultäten in Deutschland. Auswertung der Onlinebefragung des Projektes GOMED – Governance Hochschulmedizin. Berlin: iFQ Berlin. Online
Krempkow, René / Landrock, Uta, 2011:
Steuerung durch LOM? Eine Analyse zur leistungsorientierten Mittelvergabe an medizinischen Fakultäten in Deutschland. Paper zur Tagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, AG Organisationssoziologie: „Hochschule als Organisation“. Technische Universität Dortmund: Dortmund.
Schulz, Patricia, 2010:
Die analytische Governanceperspektive - Diskussion und Einsatzmöglichkeiten. IQ Beitrag Online
Kamm, Ruth / Krempkow, René, 2010:
Ist leistungsorientierte Mittelvergabe im Hochschulbereich „gerecht“ gestaltbar? in: Qualität in der Wissenschaft (QiW), Nr. 3/2010, 71-78.
Neufeld, Jörg, 2009:
Die Leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM) in der deutschen Hochschulmedizin. IQ Beitrag Online

Ansprechpartner: Dr. René Krempkow (Projektkoordination)
Team: Uta Landrock , Jörg Neufeld , Patricia Schulz