Ziele
Gegenstand des Projektes ist die Evaluation der 2007 eingeführten Förderlinie „Starting Grants“ des Europäischen Forschungsrates (ERC) zur Förderung von herausragenden Nachwuchswissenschaftlern. Das Projekt zielt insbesondere darauf ab, den Impact, den die Starting Grants auf die Europäische Forschungslandschaft erzielen, vor dem Hintergrund der Etablierung des Europäischen Forschungsraumes (ERA) zu ermitteln und zu bewerten. Dies umfasst sowohl den Einfluss, den die Fördermaßnahme auf die Karrieren der unmittelbar geförderten Nachwuchswissenschaftler hat, als auch Veränderungen, die sich auf institutioneller Ebene abzeichnen. Dabei soll „strategisch relevantes Wissen“ generiert werden, welches dem ERC bei der Ausrichtung seiner Aktivitäten und der Erfüllung seiner Aufgaben und Ziele als Grundlage dienen kann.
Untersuchungsdesign
Das Projekt bedient sich eines Methodenmix’ aus quantitativen und qualitativen Verfahren. Vorgesehen sind eine standardisierte Onlinebefragung in zwei Wellen, Leitfadeninterviews und bibliometrische Analysen.
Standardisierte Onlinebefragung
Die Untersuchung des Einflusses der Starting Grants auf die geförderten Wissenschaftler erfordert eine umfassende Erhebung von Individual- und Systemmerkmalen und deren Veränderung in der Zeit. Neben demografischen Daten stehen dabei z.B. die Ausstattung der Grants, die Stellung in bzw. das Verhältnis der Geförderten zur Gastinstitution sowie die Beurteilung des Einflusses der Förderung auf die eigene Karriere im Vordergrund. Dazu sind standardisierte Onlineinterviews in zwei Wellen geplant. Die erste Welle wird während des Förderzeitraumes (Bewilligte) und die zweite Welle zwei Jahre nach Projektabschluss durchgeführt (bei abgelehnten Antragstellern: drei Jahre nach Antragstellung). Da die Laufzeiten der bewilligten Projekte theoretisch von einem bis zu fünf Jahren reichen, soll über jährliche Zwischenbefragungen der jeweilige Projektstatus ermittelt und bei Projektabschluss mit einer Latenz von zwei Jahren die zweite Welle ausgelöst werden. Die Entwicklung der Fragebögen der ersten Welle berücksichtigt dabei Ergebnisse aus explorativen Leitfadeninterviews mit Antragstellern (s. u.) des Jahres 2008. In die Entwicklung der Fragebögen der zweiten Welle werden die Ergebnisse der ersten Welle der Onlinebefragung sowie Ergebnisse der Leitfadeninterviews der Haupterhebung (s. u.) einfließen.
Leitfadeninterviews
Leitfadeninterviews werden in zwei Runden durchgeführt: Zunächst wird eine Stichprobe von zehn Geförderten aus unterschiedlichen EU-Ländern explorativ befragt. Damit sollen zum einen ein erster empirischer Zugang zu den Ausgangsfragen des Projektes geschaffen und zum anderen zusätzliche potenzielle Problemfelder aufgedeckt werden. Die Ergebnisse dieser Gespräche sollen sowohl in die Entwicklung der standardisierten Onlinefragebögen der ersten Welle als auch in die Entwicklung der Leitfäden für die qualitative Haupterhebung (40 Antragsteller) einfließen.
In die Entwicklung der Leitfäden für die qualitative Haupterhebung werden auch Ergebnisse/Fragen aus der Auswertung der ersten Welle der standardisierten Onlinebefragung einfließen.
Bibliometrische Analysen
Zur Bewertung des Selektionsprozesses und des wissenschaftlichen Impacts der Starting Grants werden Publikations- und Zitationsanalysen für die positiv begutachteten Antragsteller durchgeführt. Verglichen werden die Publikations- und Zitationsdaten der förderungswürdigen Antragsteller vor und nach der Förderentscheidung.
Kooperationen
Das Projekt wird vom iFQ in Kooperation mit der HU-Berlin, der TU-Dortmund und dem IWT Bielefeld bearbeitet. Die Kooperationspartner übernehmen entsprechend ihrer besonderen Kompetenzen spezifische Aufgaben im Rahmen der drei Methodenlinien.
Das iFQ übernimmt die Projektleitung und ist für die inhaltliche Berichterstellung zuständig. Die Konzipierung und Auswertung der Onlinebefragung und die Zusammenführung der Ergebnisse aus den verschiedenen Methodenlinien erfolgt ebenfalls durch das iFQ. Die HU-Berlin übernimmt die administrative Betreuung der Projektpartner und die Kooperation mit der Europäischen Kommission.
Für die Konzeption und Durchführung der Leitfadengespräche wird Herr Professor Meuser, Universität Dortmund, zuständig sein. Die bibliometrischen Analysen werden arbeitsteilig vom IWT, Herr Dr. Winterhager, und dem iFQ durchgeführt.
Darüber hinaus gibt es eine Zusammenarbeit mit dem EURECIA Konsortium, unter Leitung von PREST Manchester welches ebenfalls ein Projekt im Rahmen der Evaluation der Starting Grants bearbeitet.
MERCI im Projektkontext des iFQ
MERCI ordnet sich inhaltlich in den iFQ-Themenbereich „Nachwuchs und Karrieren“ ein. Das Projekt baut stark auf der Evaluation des Emmy-Noether Programms auf, ist im Design jedoch noch komplexer angelegt (Paneldesign mit Zwischenbefragung, mehrere Kohorten, Internationalisierung und somit heterogene Struktur der Wissenschaftssysteme in Europa).
Durch das Projekt verbreitert sich die Datenbasis zur Bearbeitung zentraler Themen des Instituts entscheidend. Dies bezieht sich insbesondere auf die Themen: Post Doc Förderung, Entscheidungsprozesse in der Forschungsförderung, Messung von Forschungsleistungen (qualitative/quantitative Indikatoren), Peer Review, Governance der Wissenschaft etc. Darüber hinaus schlägt MERCI methodisch eine Brücke zwischen der Emmy Noether-Evaluation, ProFile (Panelansatz) und dem Forschungsmonitor (Instrument für das Monitoring).
Verortung des Projektes in der wissenschaftlichen Debatte
Inhaltlich
Langzeituntersuchungen von Instrumenten zur Post Doc-Förderung sind selten. Neu ist u.a. die Nutzung bibliometrischer Analysen für die Bewertung des Impacts entsprechender Programme.
Im Zuge der weiteren Herausbildung des Europäischen Forschungsraums (ERA) wird der Bedarf an (Nachwuchs-)wissenschaftlern und –wissenschaftlerinnen weiter steigen. Es wird erwartet, dass sich in diesem Prozess auch Rolle und Funktion von Post Docs verändern (Armbruster: 2008). Es wird davon ausgegangen, dass Post Docs zunehmend im Rahmen von antragsbasierter Forschungsförderung als Principal Investigators Leitungsfunktionen übernehmen und unabhängig publizieren. Das Interesse an Informationen über die Leistungsfähigkeit von Nachwuchsprogrammen hinsichtlich ihrer Karrierewirksamkeit und ihrer Fähigkeit, tatsächlich Spitzenforschung zu fördern, wird ansteigen. Insofern behandelt das Projekt nicht nur grundsätzliche Fragen der Nachwuchsförderung, sondern liefert auch Beiträge zu der relevanten wissenschaftspolitischen Diskussion. Insbesondere trägt es zur deutlichen Verbesserung der empirischen Basis in diesem Bereich bei.
Methodisch
Eine Besonderheit des Projektes besteht in der Verschränkung unterschiedlicher Methoden. Dabei geht MERCI prinzipiell über einen herkömmlichen Multi-Method-Ansatz (Triangulation) hinaus bzw. modifiziert diesen, denn es werden nicht nur die Daten/Ergebnisse aus den unterschiedlichen Methodenlinien auf Kongruenzen und Divergenzen überprüft, sondern die Entwicklung der Erhebungsinstrumente selbst wird durch Zwischenergebnisse der jeweils anderen Linie beeinflusst. Die Instrumente justieren sich gleichsam gegenseitig.
Referenzen
- Armbruster, Chris, 2008:
- The Rise of the Post-Doc as Principal Investigator? Policy Futures in Education, Vol. 6, No.4.
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