MERCI: Starting Grants – Monitoring European Research Council’s Implementation of Excellence

Ziele
Bei MERCI handelt es sich um eine formative Evaluationsstudie, in deren Rahmen wir intendierte und nicht-intendierte Effekte des ERC Starting Grants-Programms erforschen. Um diesem Ziel gerecht zu werden, richtet sich unser Fokus nicht nur auf diejenigen, die sich erfolgreich um das Starting Grant beworben haben, sondern auch auf die abgelehnten Antragstellenden im Programm. Eine derartige vergleichende Betrachtungsweise liefert zum Beispiel Hinweise darauf, wie sich durch die prestigeträchtige Förderung der Status und die Arbeitsbedingungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern verändern. Das übergeordnete Ziel unserer Studie ist es, strategisch relevantes Wissen zu generieren, das dem ERC bei der Ausrichtung seiner Aktivitäten und der Erfüllung seiner Aufgaben und Ziele dienen kann. Dies impliziert, dass wir nicht nur die Programmziele als solche evaluieren, sondern auch die Adäquanz der Ziele selbst hinterfragen und analysieren, ob die spezifischen Bedürfnisse von postdoktoralen Nachwuchswissenschaftler/innen tatsächlich adressiert werden.

Untersuchungsdesign
Eine Besonderheit des Projektes besteht in der Verschränkung unterschiedlicher Methoden. MERCI bedient sich eines Methodenmix’ aus qualitativen und quantitativen Verfahren; es kommen Online-Befragungen (Panel-Design), Leitfadeninterviews sowie bibliometrische Analysen zum Einsatz. Dabei geht MERCI über einen herkömmlichen Multi-Method-Ansatz (Triangulation) hinaus bzw. modifiziert diesen. Es werden nicht nur die Daten/Ergebnisse aus den unterschiedlichen Methodenlinien auf Kongruenzen und Divergenzen überprüft, sondern die Entwicklung der Erhebungsinstrumente selbst wird durch Berücksichtigung der Zwischenergebnisse der jeweils anderen Linie (mit)gesteuert. Die Instrumente justieren sich dadurch gegenseitig. MERCI orientiert sich hinsichtlich des Studiendesigns an der iFQ-Evaluationsstudie zum Emmy Noether-Programm, ist im Design jedoch noch komplexer angelegt (Panel-Design mit zwei Wellen und jährliche Zwischenbefragungen, Berücksichtigung mehrerer Kohorten, Internationalisierung, d.h. Umgang mit der heterogen Struktur der Wissenschaftssysteme in Europa).

Leitfadeninterviews
Eine explorative Vorstudie wurde im Sommer 2009 durchgeführt und ausgewertet. Sie basiert auf zehn Leitfadeninterviews mit Stipendiaten des 2007 erfolgten Aufrufs zur Einreichung von Projektanträgen (Call). Mithilfe dieser Interviews wurde der erste empirische Zugang zu den Ausgangsfragen des Projektes geschaffen und Problemfelder aufgedeckt. Die Ergebnisse der Gespräche flossen sowohl in die Konstruktion des Fragebogens für die Onlinebefragung (1. Welle) als auch in die Entwicklung der Leitfäden für die qualitative Haupterhebung ein. Für diese Hauptstudie werden im Frühjahr/Sommer 2011 insgesamt 40 Antragsstellende (bewilligte und abgelehnte) aus dem 2009er Call befragt. Im Sinne der Triangulation werden die Ergebnisse aus diesen Leitfadeninterviews in die Entwicklung des Fragebogens für die 2. Welle unserer Onlinebefragung einfließen.

Standardisierte Onlinebefragung
Die Untersuchung des Einflusses der Starting Grants auf die geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erfordert eine umfassende Erhebung von Individual- und Systemmerkmalen und deren Veränderung im Zeitverlauf. Neben demografischen Merkmalen stehen dabei z.B. die Ausstattung des Grants, die Stellung in bzw. das Verhältnis der Geförderten zur Gastinstitution sowie die Beurteilung des Einflusses der Förderung auf die eigene Karriere im Vordergrund. Dazu werden standardisierte Onlinebefragungen in zwei Wellen durchgeführt (Panel-Design). Die erste Welle wird am Beginn des Förderzeitraumes (Bewilligte) bzw. ca. ein Jahr nach Antragstellung (Abgelehnte) durchgeführt. Die zweite Befragung findet in der zweiten Hälfte bzw. am Ende der Förderperiode statt. Da die Laufzeit der bewilligten Forschungsprojekte von einem bis zu fünf Jahren reichen kann, soll über jährliche Zwischenbefragungen der jeweilige Projektstatus ermittelt werden und auf diese Weise der spezifischen Situation jener Befragten Rechnung getragen werden, die die Förderung früher als vorgesehen beenden. Die erste Onlinebefragung (1. Welle) fand im Oktober/November 2010 statt. Befragt wurden angenommene und abgelehnte Starting Grant-Bewerber des 2009er Calls. Unter Berücksichtigung der Anforderungen des Datenschutzes wurden nur diejenigen Bewerber/innen zur Befragung eingeladen, die im Vorfeld der Weitergabe ihrer Daten an das iFQ durch den ERC explizit zugestimmt hatten. Unter diesen war die Rücklaufquote dann erfreulich hoch: Von den geförderten Grantees nahmen 71 Prozent an der Befragung teil, von den abgelehnten Bewerber/innen 61 Prozent. Die Onlinebefragung für bewilligte und abgelehnte Starting Grant-Bewerber des Calls von 2010 wird im Herbst 2011 durchgeführt.

Bibliometrische Analysen
Zur Bewertung der Publikationsperformanz der Bewerberinnen und Bewerber vor der Förderung und des Einflusses der Starting Grants auf das Publikationsverhalten (wissenschaftlicher Impact) werden Publikations- und Zitationsanalysen für die bewilligten und abgelehnten Antragstellenden des 2007er und 2009er Calls durchgeführt. Hierzu werden zunächst die Publikationen bis zum Jahr der Förderentscheidung für Bewerberinnen und Bewerber aus vier Fachgebieten (Medizin, Biologie, Physik, Chemie) recherchiert und den Personen zur Validierung vorgelegt. In einem zweiten Schritt werden die Zitationen auf diese Publikationen in einem festgelegten Zeitfenster (Publikationsjahr + 2 Jahre) ermittelt. Am Ende des Projekts wird dieses Vorgehen für alle Publikationen wiederholt, die nach der Förderentscheidung erschienen sind. Die Recherchearbeiten, die im Frühjahr 2011 starten, werden vom IWT Bielefeld und dem iFQ durchgeführt. Die Analyse der Daten findet schwerpunktmäßig am iFQ statt.

Kooperationen
MERCI wird in Kooperation mit der HU Berlin, der TU Dortmund und dem IWT Bielefeld durchgeführt. Das iFQ hat die Projektleitung inne und ist für die inhaltliche Berichterstellung zuständig. Die administrative Betreuung der Projektpartner und die Kooperation mit der Europäischen Kommission liegt bei der HU Berlin. Die Konzeption, Durchführung und Auswertung der Onlinebefragung und die Zusammenführung der Ergebnisse aus den verschiedenen Methodenlinien erfolgt durch das iFQ. Für die Konzeption, Durchführung und Auswertung der Leitfadeninterviews ist die TU Dortmund zuständig. Die bibliometrischen Analysen werden arbeitsteilig vom IWT Universität Bielefeld und dem iFQ durchgeführt. Darüber hinaus gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Konsortium, unter Leitung von PREST Manchester, welches im Rahmen der weitergehenden Evaluation der Starting Grants das Projekt „Understanding and Assessing the Impact and Outcomes of the ERC Funding Schemes“ (EURECIA ) bearbeitet.

International Advisory Panel
Unser Projekt wird durch eine international besetzte Expertengruppe (International Advisory Panel; IAP) begleitet. Diese Expertengruppe berät das Projektteam zum einen hinsichtlich nationaler Besonderheiten von Forschungssystemen und aktuellen wissenschaftspolitischen Entwicklungen, zum anderen soll sichergestellt werden, dass sowohl bei der Konzeption der methodischen Instrumente als auch bei der Interpretation des Datenmaterials interkulturelle Spezifika berücksichtigt werden. Im September 2009 fand in Berlin ein erstes IAP-Meeting statt, in dessen Rahmen länderspezifische „typische“ Karrierewege von Nachwuchswissenschaftler/innen und die Mobilität von Postdocs im internationalen Vergleich diskutiert wurden. Im Sommer 2010 wurden die IAP-Mitglieder dazu eingeladen, den Entwurf des Online-Fragebogens zu kommentieren. Ein zweites IAP-Meeting, in welchem Zwischenergebnisse des Projektes diskutiert werden sollen, wird Anfang 2012 stattfinden.

MERCI im Projektkontext des iFQ
MERCI ordnet sich inhaltlich in den iFQ-Themenbereich „Nachwuchs und Karrieren“ ein und baut stark auf der Evaluation des Emmy Noether-Programms auf. Durch unser Projekt wird zum einen die iFQ-Expertise in den Bereichen „Programmevaluation“, „Methodentriangulation“ und Panelbefragung (ProFile) ausgebaut. Zum anderen erweitert sich durch das Projekt die Datenbasis zur Bearbeitung zentraler Themen des Instituts entscheidend. Dies bezieht sich insbesondere auf die Themen: Postdoc-Förderung, Entscheidungsprozesse in der Forschungsförderung, Messung von Forschungsleistungen (qualitative und quantitative Indikatoren), Governance der Wissenschaft, etc.

Verortung des Projektes in der wissenschaftlichen Debatte
Langzeituntersuchungen von Instrumenten zur Postdoc-Förderung sind selten. Im Zuge der weiteren Herausbildung des Europäischen Forschungsraums (ERA) wird der Bedarf an (Nachwuchs-)Wissenschaftler/innen weiter steigen. Es wird erwartet, dass sich in diesem Prozess auch Rolle und Funktion von Postdocs verändern (Armbruster: 2008). Postdocs übernehmen zunehmend im Rahmen von antragsbasierter Forschungsförderung als Principal Investigators Leitungsfunktionen und publizieren unabhängig. Das Interesse an Informationen über die Leistungsfähigkeit von Nachwuchsprogrammen hinsichtlich ihrer Karrierewirksamkeit und ihrer Fähigkeit, tatsächlich Spitzenforschung zu fördern, wird dadurch (weiter) ansteigen. Insofern behandelt unser Projekt nicht nur grundsätzliche Fragen der Nachwuchsförderung, sondern liefert auch Beiträge zu einer relevanten wissenschaftspolitischen Diskussion. Insbesondere trägt es zur Verbesserung der empirischen Basis in diesem Bereich bei.

Referenzen

Armbruster, Chris, 2008:
The Rise of the Post-Doc as Principal Investigator? Policy Futures in Education, Vol. 6, No.4.
 
   
Projektleitung: Dr. Nathalie Huber , Susan Böhmer
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