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Beschämte Wissenschaft – Reintegration vs. Stigmatisierung von Fehlverhalten

Wissenschaft belohnt Erkenntnis mit Reputation und Karriereoptionen. Dafür überschreiten Forscher Grenzen – aber nicht immer gültigen Wissens und nicht immer im Rahmen des Erlaubten. Dies führen nicht zuletzt die inzwischen mit Regelmäßigkeit auftretenden und medial diskutierten Plagiatsfälle öffentlicher Personen und berühmter Wissenschaftler vor Augen. Studien liefern Hinweise darauf, dass das wissenschaftliche Ethos auf die Gemeinschaft der Forscher weniger disziplinierend wirkt als erhofft. Wenig bekannt ist indes über die Motive für solches Fehlverhalten sowie die Wirksamkeit der Präventions- und Sanktionsinstrumente, welche die Wissenschaft zu dessen Begegnung entwickelt hat. Das Projekt "Beschämte Wissenschaft – Reintegration vs. Stigmatisierung von Fehlverhalten" analysiert diese sich zum Teil gerade erst entwickelnden Verfahren zur Regulierung von Mindestanforderungen an die Qualität von Forschungsarbeiten und nimmt zudem auch mögliche nicht-intendierte Effekte von solchen Verfahren in den Blick, die eigentlich bestmögliche Forschungsqualität fördern sollen. Theoretisch ordnet sich das Vorhaben in die beiden soziologischen Teilgebiete der Wissenschaftsforschung sowie der Soziologie abweichenden Verhaltens resp. Kriminologie ein. Ausgehend von bibliometrischen Analysen von zurückgezogenen Artikeln (sog. retractions) und ergänzenden Dokumentenanalysen soll zunächst eine Typologie von Karrieren unredlicher Forscher entwickelt werden. Daran anschließend soll mittels Interviews analysiert werden, mit welchen Strategien institutionelle Akteure des Wissenschaftssystems wie Fachzeitschrifteneditoren, Ombudspersonen sowie Forschungsförderer auf Fehlverhalten reagieren. In Kombination sollen die Ergebnisse zu einem besseren Verständnis beitragen, ob und wie das wissenschaftliche Selbststeuerungspotenzial zur Begegnung von Fehlverhalten beiträgt.

Laufzeit: Januar 2014 − Dezember 2016
Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung
(Förderkennzeichen: 01PY13009)
Ansprechpartner: Prof. Dr. Martin Reinhart, Felicitas Heßelmann, Marion Schmidt, Verena Graf

Im Projektzusammenhang entstandene Publikationen:

Hesselmann, Felicitas / Wienefoet, Verena / Reinhart, Martin, 2014: Measuring Scientific Misconduct – Lessons from Criminology. Publications, 2(3), 61-70.