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iFQ - Journal Impact Factor (Dirk Lewandowski)

Journal Impact Factor
Dirk Lewandowski © 2006

Der Journal Impact Factor (oder schlicht: Impact Factor) soll die Wirkung einer wissenschaftlichen Zeitschrift beschreiben. Dazu wird gemessen, wie häufig Artikel aus dieser Zeitschrift in anderen wissenschaftlichen Zeitschriften zitiert werden.

Der Impact Factor trifft damit eine Aussage darüber, wie gut die Artikel der Zeitschrift bei anderen Wissenschaftlern, die selbst publizieren, ankommen. Zeitschriften, die eher von in der Wirtschaft beschäftigten Wissenschaftlern oder von Praktikern gelesen werden (die zwar rezipieren, aber in weit geringerem Maße selbst publizieren), haben daher in der Regel einen niedrigeren Impact Factor. Für einen Wissenschaftler muss es allerdings keinen Nachteil bedeuten, auch in solchen Zeitschriften zu veröffentlichen.

1. Datengrundlage

Der Journal Impact Factor wird auf Grundlage der im Web of Science (einem kommerziellen Produkt von Thomson Scientific) enthaltenen Zeitschriften berechnet und jährlich in den Journal Citation Reports veröffentlicht. Berücksichtigt werden alle Zitationen aus Zeitschriften, die selbst im Web of Science enthalten sind. Dabei handelt es sich um nach verschiedenen Kriterien ausgewählte, meist international orientierte Zeitschriften, die nur Artikel veröffentlichen, welche zuvor das Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben.

Zwar ist die Datenbasis der Journal Citation Reports mit mehr als 7.500 Zeitschriften groß, die Abdeckung der unterschiedlichen Fächer ist jedoch sehr unterschiedlich. So sind Naturwissenschaften und Medizin sehr umfangreich erfasst, während die Abdeckung bei den Sozial- und Geisteswissenschaften niedrig ist. Dazu kommt, dass in diesen Disziplinen auch umfangreich außerhalb von Zeitschriften (z.B. Monographien, Proceedings und Sammelbände) publiziert wird, im Web of Science aber ausschließlich Veröffentlichungen in (vor allem international orientierten) Zeitschriften erfasst werden.

2. Berechnung

Die Berechnung des Impact Factor erfolgt auf Grundlage der in den vergangenen beiden Jahren veröffentlichten Artikel. Wenn also der Impact Factor einer Zeitschrift für das Jahr 2005 berechnet werden soll, erfolgt dies auf der Basis der in den Jahren 2003 und 2004 veröffentlichten Artikel.

Der zweite Wert, der in die Berechnung eingeht, ist die Zahl der Zitationen, welche auf alle in den vergangenen beiden Jahren in der untersuchten Zeitschrift publizierten Artikel entfallen ist. Gezählt werden hierzu nur die Zitationen im Berichtsjahr, in unserem Beispiel also Zitationen aus dem Jahr 2005. Um nun den Impact Factor zu berechnen, wird die Zahl der Zitationen durch die Zahl der Quellenartikel geteilt.

Die Formel zur Berechnung des Impact Factor lautet also:

 
C
IF (Z) = 

 
S1+S2

wobei Z die untersuchte Zeitschrift, C die Zahl der im aktuellen Jahr für die Artikel der vorangegangenen beiden Jahre erhaltenen Zitationen und S1 und S2 die Zahl der in den beiden vorangegangenen Jahren erschienenen Quellenartikel ist.

Zwei Beispiele mögen die Berechnung verdeutlichen:

  • In der Zeitschrift Nature wurden im Jahr 2003 859 Artikel veröffentlicht, im Jahr 2004 878. Es ergibt sich also eine Gesamt-Artikelzahl von 1.737. Im Folgejahr 2005 wurden die Nature-Artikel aus 2003 und 2004 50.848 mal zitiert. Teilt man die Zitationen durch die Anzahl der Artikel, ergibt sich der Journal Impact Factor von 29,273.
  • In der Zeitschrift American Journal of Bioethics wurden in den Jahren 2003 und 2004 insgesamt 53 Artikel veröffentlicht;  im Jahr 2005 erhielten diese Artikel insgesamt 133 Zitationen. Dadurch ergibt sich für diese Zeitschrift ein Impact Factor von 2,509.

Schon bei diesen beiden Beispielen zeigt sich, wie unterschiedlich der Impact Factor sein kann, auch wenn es sich - wie in diesem Fall - jeweils um führende Zeitschriften ihrer Fachgebiete handelt. Die großen Unterschiede kommen vor allem durch die Größe des Fachgebiets und das dort praktizierte, unterschiedliche Zitierverhalten zustande. Daher dürfen Zeitschriften anhand ihres Impact Factors ausschließlich mit anderen Zeitschriften ihres Fachgebiets verglichen werden, nicht aber (wie es im Beispiel von Nature und American Journal of Bioethics der Fall wäre) fachgebietsübergreifend.

Beispiel Nature: Journal Impact Factor

Cites in 2005 to articles published in: 2004 = 21496 Number of articles published in: 2004 = 0878
  2003 = 29352   2003 = 0859
  Sum: 50848   Sum: 1737

Calculation: Cites to recent articles 50848 = 29.273
Number of recent articles 01737

Quelle: ISI Journal Citation Reports 2005 (http://portal.isiknowledge.com/)

3. Methodische Verzerrungen

Selbst bei einem Vergleich innerhalb eines Fachgebiets ist Vorsicht geboten. Neben den eigentlichen Forschungsaufsätzen veröffentlichen wissenschaftliche Zeitschriften auch Überblicksartikel (Reviews) und andere, eher begleitende Materialien (Editorials, Meeting Abstracts, Technical Notes, Letters). Grundsätzlich werden Review-Artikel häufiger zitiert als Original-Aufsätze, obwohl letztere, da sie über Ergebnisse eigener Forschung berichten, in der Regel als höherwertig eingeschätzt werden. Der Impact Factor bevorzugt Zeitschriften, die zu einem höheren Anteil Review-Artikel veröffentlichen.

Ein weiteres Problem mit den unterschiedlichen Dokumenttypen ergibt sich aus deren unterschiedlicher Behandlung in den Journal Citation Reports . Als Quellenartikel werden nur Originalartikel, Review-Artikel, Meeting Abstracts und Technical Notes angesehen. Allerdings werden bei den Zitationen auch solche aus anderen Artikeltypen mit einbezogen. Konkret bedeutet dies, dass Artikeltypen wie Letters zwar zitiert werden, jedoch nicht als Quellenartikel mit einbezogen werden. So wird der Impact Factor derjenigen Zeitschriften in die Höhe getrieben, die eine hohe Anzahl an "sonstigen" Dokumenttypen veröffentlichen.

Als dritter Problembereich ist der dem Impact Factor zugrunde liegende Beobachtungszeitraum von zwei Jahren anzusehen. Mit diesem für die wissenschaftliche Kommunikation doch recht kurzen Zeitraum werden aktuelle Zeitschriften bevorzugt. Die unterschiedlichen "Reifeprozesse" wissenschaftlicher Informationen bleiben unberücksichtigt.

Abbildung 1 zeigt ein Beispiel für die unterschiedliche Verteilung der Zitationen auf der Ebene von Zeitschriftenkategorien. Während in der Rheumatologie zu einem großen Teil aktuelle Literatur zitiert wird, verteilen sich die Zitationen in der Mathematik gleichmäßiger auf verschiedene Jahrgänge. Bei der Berechnung des Impact Factor werden jedoch alle Zitationen ausgeschlossen, die sich auf Artikel beziehen, die älter sind als zwei Jahre vor dem Untersuchungsjahr. Zeitschriften (und Wissensgebiete), deren Artikel schnell zitiert werden, werden also bei der Berechnung des Impact Factor bevorzugt.

Quelle: ISI Journal Citation Reports, eigene Berechnungen

 

4. Was kann der Impact Factor über einzelne Aufsätze oder Wissenschaftler aussagen?

Da der Impact Factor die Wirkung einer Zeitschrift beschreibt, wird er gerne auch für die Entscheidung für eine Publikation in einer bestimmten Zeitschrift und auch bei der Evaluierung der Publikationsleistung einzelner Wissenschaftler oder Forschergruppen eingesetzt.

Die Publikation in einer Zeitschrift mit hohem Impact Factor ist jedoch keine Garantie dafür, häufig zitiert zu werden. In jeder Zeitschrift finden sich Aufsätze, die nicht oder nur selten zitiert werden. Dies ist selbst in den vielzitierten Journals wie Science und Nature der Fall. Auch wenn man nur die Originalartikel betrachtet, finden sich beispielsweise im Jahrgang 2004 von Nature 11 Artikel, die bisher kein einziges Mal zitiert wurden; insgesamt etwa die Hälfte der Artikel erreicht eine Zitationszahl, die unter dem Impact Factor der Zeitschrift liegt. Der Impact Factor kann also nichts über einzelne Artikel aussagen, sondern nur kumuliert über alle Artikel einer Zeitschrift.

Vor allem in der Medizin werden Evaluierung einzelner Wissenschaftler auf der Basis von Impact Faktoren vorgenommen, zum Beispiel zur Bewertung der Publikationsleistung in Habilitationsverfahren. Dabei werden die Impact Faktoren der Zeitschriften, in denen der Wissenschaftler veröffentlicht hat, zusammengezählt bzw. nach einem Gewichtungsverfahren verrechnet. Dies ist aus den bereits genannten Gründen problematisch und wird auch von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften abgelehnt: "Für eine Bewertung von Einzelpersonen bei Habilitationen und Berufungen sind sie [die Impact Factors] nicht geeignet."

Bei der Beurteilung der Publikationsleistung von Wissenschaftlern auf Basis von Zitationen sollten nur die tatsächlich erreichten Zitationen gezählt werden. Bei neueren Artikeln, die noch keine entsprechend hohe Anzahl an Zitationen erhalten konnten, sollten Gewichtungen verwendet werden.

 
5. Fazit

Die Journal Impact Factors stellen ein gutes Mittel dar, um die kurzfristige wissenschaftliche Wirkung von Zeitschriften zu bewerten. Zeitschriften mit ähnlichem Profil innerhalb einer Fachgruppe lassen sich auf der Basis dieses Werts (evtl. ergänzt durch weitere Werte wie Immediacy Index und Cited Half-Life) vergleichen. Für die Bewertung der Publikationsleistung von Wissenschaftlern sind die Journal Impact Factors allerdings nicht geeignet.

Literatur

Download Garfield, Eugene, 2005: The Agony and the Ecstasy. The History and Meaning of the Journal Impact Factor.
  Garfield, Eugene, 1979: Citation Indexing. Its Theory and Application in Science, Technology and Humanities. New York: John Wiley & Sons.
  Moed, Henk F., 2005: Citation Analysis in Research Evaluation. Dordrecht: Springer. [Kapitel 5: Citation Analysis of Scientific Journals]
Download Brähler, Elmar, Oliver Decker und Manfred E. Beutel, 2004: Deep Impact. Evaluation in the Sciences. Sozial- und Präventivmedizin 49(2004)1: 10-14.
Download Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), 2004: Empfehlungen zu einer »Leistungsorientierten Mittelvergabe an den Medizinischen Fakultäten. Stellungnahme der Senatskommission für Klinische Forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
  Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), 2000: AWMF-Vorschlag zur Verwendung des "Impact Factor".