Spezifikation Kerndatensatz Forschung
Wissenschaftsrat Fraunhofer FIT
 
 
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Hintergrund

In den letzten 30 Jahren haben sich in Deutschland, wie auch in anderen europäischen Staaten, die Anforderungen an die Berichterstattung über Forschungsaktivitäten erheblich gewandelt. Interne Datenanforderungen aber auch externe Auskunftserwartungen bis hin zu formelbasierten Finanzierungsmechanismen haben dabei zu sehr unterschiedlichen Reaktionen inhaltlicher, technischer und organisatorischer Art geführt. Im Ergebnis reicht das Spektrum heute von Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit äußerst elaborierten Systemen und Verfahren bis hin zu Einrichtungen, die nur mit großem Einsatz von personellen und zeitlichen Ressourcen Daten und Informationen generieren können. Für einrichtungsübergreifende, vergleichbare Daten stellt sich dabei zunehmend das Problem, dass sich in Deutschland eine Fülle von lokalen Informationssystemen mit unterschiedlichen Inhalten, Datendefinitionen, rechtlichen Regelungen, technischen Lösungen, Austauschformaten, internen Funktionen und Nutzerkreisen entwickelt hat. Insofern besteht nicht nur ein Bedarf an Standardisierung, sondern auch eine Klärung, welche Daten zukünftig verfügbar sein sollten und welche nur optional – abhängig von lokalen Praxen – einen solchen Kerndatensatz ergänzen können.

Parallel zu der in den 1980er Jahren begonnenen Debatte über die Leistungsfähigkeit des deutschen Hochschulsystems entstanden Forderungen nach einer Berichterstattung über Forschungsleistungen. Zeitgleich begannen die ersten Versuche, ein einheitliches europäisches Format für die elektronische Datenhaltung zu definieren (Common European Research Information Format; CERIF).

Internationale Datenkollektionen genügen bislang nicht den auf nationaler und subnationaler Ebenen bestehenden Informationsanforderungen. Insbesondere unter den föderalen Bedingungen in Deutschland entwickelte sich eine Fülle von unterschiedlichen Informationssystemen mit inkompatiblen Inhalten, Datendefinitionen, rechtlichen Regelungen, technischen Lösungen und Austauschformaten.

Damit Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen (AUF) über ihre Forschungsaktivitäten in vergleichbarer Weise Auskunft geben können, ist eine einheitliche Bereitstellung von Daten zu Forschungsprozessen und -aktivitäten notwendig. Neben Datenanforderungen für die interne Steuerung (z.B. Leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM), Mittelverteilung und Leistungsbemessung in der W-Besoldung) treten auch Anfragen der Wissenschaftsministerien der Bundesländer, der Bundesregierung, der amtlichen Statistik, des Wissenschaftsrates, der Akkreditierungsagenturen, des Centrums für Hochschulentwicklung oder der Träger nationaler und internationaler Rankings und Benchmarking auf. Hochschulen, AUF, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sehen sich somit einem wachsenden Informationsbedarf unterschiedlichster Akteure gegenüber.

Dabei werden gleiche Informationen oft in verschiedener Form abgefragt. Ferner variieren Art und Umfang der gewünschten Daten. Neben der zunehmend umfangreichen Berichtsbelastung zeitigt die bestehende Heterogenität der Datenabfragen eine weitere Folge: die auf unterschiedliche Weise erhobenen Daten sind nur eingeschränkt vergleichbar und aggregierbar. Dadurch wird auch die Betrachtung von Entwicklungen über längere Zeiträume erschwert. Zugleich entstehen an unterschiedlichsten Stellen (Forschungsförderer, Stiftungen, Expertenkommissionen, Ministerien, bibliometrische Datenbanken, amtliche Statistik usw.) Datenkollektionen, die nicht nur für ein Berichtssystem nutzbar sind, sondern auch durch Cross-checks die Validität der Daten erheblich erhöhen könnten.

Die Berichterstattung über Forschungsaktivitäten setzt qualitätsgesicherte und vergleichbare Daten voraus. Die Erfassung aussagekräftiger Daten wurde bislang allerdings durch eine unzureichende Passfähigkeit und Verbreitung bestehender Standards behindert. Angesichts der weiter wachsenden Bedeutung, Forschungsaktivitäten in deren Qualität und Quantität zu dokumentieren, ist ein nachhaltiger Schritt zur Qualitätssicherung über eine Standardisierung der einschlägigen Datenformate unverzichtbar.